John o’Groats Trail – Tag 5- Brora to Lothbeg Point mit Whiskey

Mit Whiskey, Tweet und der Strand von Brora Beach

[Wanderung ca. 10,5 km, leicht] [ca. 10 Höhenmeter ] [30.04.2019]

Guten Morgen Brora, heute besuchen wir Die Clynelish Destillerie

Um die kalten Abende etwas zu erwärmen, und auch weil Ju seit Dornoch auf den Whiskey Geschmack gekommen ist, haben wir für heute einen Besuch in der örtlichen Destillerie Clynelish geplant. Aber erst einmal zu dem was vorher  so geschah.

Sonnenaufgang am Strand von Brora

Zum Sonnenaufgang sind wir aufgestanden, nur um zu kapieren, dass wir hier am Strand in Richtung Süden ausgerichtet stehen. Judith geht zur nächsten Kurve, um sich das Spektakel anzuschauen, ich gehe in die Botanik. Das viele ungewohnte Fleisch macht sich bemerkbar. Danach nochmal rein in den warmen Schlafsack, denn es ist verdammt kalt da draußen.

Das Renterparadies Brora

Wir schlafen dann noch bis kurz vor 8, und gerade als unser Tee zieht, kommt ein großer, grauhaariger Gentleman mit seinen zwei großen Zottelhunden am Strand entlang und sucht das Gespräch mit uns. Er ist sichtlich angetan von der Tatsache, dass wir hier Zelten und klingt freundlich und erfreut. Er fragt uns nach Start und Ziel unserer Wanderung, um uns im Gegenzug vom Mikroklima dieser riesigen Bucht zu erzählen, und dass deshalb so viele Rentner hierherkommen. Ein schottisches Florida!

Wir erfahren genau wo der Leuchtturm, den wir gestern Abend gesehen habe steht, und das wir auf keinen Fall für nur einen Tag auf die Hebriden fahren dürfen, sondern mindestens eine Woche Zeit dafür einplanen sollen. Machen wir, wir kommen wieder! Uns wird auch erzählt, dass wir vor einer alten Mine stehen, deshalb ist das Gelände hinter uns so verlassen und eingezäunt. Einbruchgefahr! Wir hätten ewig so weiterreden können. Ich bekomme noch ein Kompliment für mein Alter, und dann zieht er echt schweren Herzens (beidseitig) mit seinen Hunden weiter.

Frühstück in Brora und der Stoffhimmel

Zum Frühstück geht es nach dem Zeltabbau in die Stadt. Wir sind beide knallrot im Gesicht und auf den Handrücken. Im Supermarkt wird für den heutigen Tag und das Abendessen eingekauft, denn wir wollen die nächste Etappe halbieren und wieder wild Zelten.  Warum? Ja weil wir doch heute die Besichtigung einer Destillerie eingeplant haben.

Aber was sieht Ju da beim verlassen des Supermarktes auf der anderen Strassenseite? Einen kleinen Laden mit Produkten aus schottischer Wolle. Kingcraig Fabrics. Sie sucht eigentlich eine warme Leggins, die es dort jedoch leider nicht gibt. Und was erblicke ich? Wolle und Stoffmuster Laschen! Die haben Meterware! Ich parke Ju regelrecht im Café nebenan und streichle mich durch die Muster mit den herrlichen Farben Schottlands. Kein Blick schweift auf all die Kissen und Umhänge und Taschen und Decken, nur die Muster sind meinen Augen und meinem Tastsinn erlegen. „Sie verkaufen Meterware?“ Ja! Ich tauche tief in meine Vergangenheit, ich bin im Himmel und atme diesen unverwechselbaren Geruch von reiner Wolle ein.

Ich entscheide mich für ein klassisches Fischgrat Muster in grau mit bunten Sprenkeln und gegen all die Karos. Es ist kein Harris Tweed, „but who the hell cares“. Ach, ich könnte hier Stunden verbringen. Die nette Dame im Geschäft bemerkt wohl wie angetan ich bin und nimmt mich zum Abschneiden der Meterware mit in den Keller, in dem die Rollen mit diesem wunderbaren Stoff gelagert sind.

Ein Samenkorn wird gepflanzt

Wir kommen ins Gespräch und ich frage wo genau diese Stoffe gewebt wurden. In Yorkshire, aber die Wolle kommt von hier. Warum? Weil es hier keinen Weber gibt, der den Job machen könnte. Aber warte mal! Brora das Rentner Miami, ich kann weben, auch wenn mir jemand beim Einrichten helfen müsste. Ich liebe das Weben, das war bereits an der Uni meine Lieblingswerkstatt. Wäre das ein Traum? Hier leben und weben? Ein Samenkorn wurde gepflanzt, doch erst einmal kommt dieser unsägliche Brexit. Und da ist auch noch mein geliebtes Enkelkind. Ju meint später, dies wäre der richtige Ort für eine Physiotherapie Praxis. Klar, alles Greise hier!

Ich erstehe passend zu dem Tweet noch ein paar Knäuel Wolle für einen warmen Pulli, und das Tolle daran, das Ganze geht als Paket zu mir nach Hause.

Clynelish Destillerie und Whiskey

Ob das mit dem Packet nach Hause in der Destillerie auch geht? Leider nein. Trotzdem war die Besichtigung sehr informativ, und die Whiskey Verkostung mit Pralinen ein Gaumengenuss Erlebnis mit kleinen Schauern und Vibrationen. Die Destillerie Edition schmeckt blumig ud leicht salzig, phantastischer Whiskey! Außerdem haben wir gelernt, dass diese Destillerie den Hauptanteil an Johnny Walker Gold liefert und deshalb so groß, neu und modern ist. Das Wasser dafür kommt aus einem Fluß in dem früher, und auch noch heute in kleinen Mengen Gold gefunden wird.

Aktuell wir dort, und angeblich nur in den jeweils teilnehmenden Destillerien eine Sonderedition zu Game of Thrones verkauft. (Beim Rückflug konnten wir noch jeweils eine Flasche im Duty Free ergattern, leider nicht Haus Stark, also haben wir je einen Royal Lochnagar gekauft, der schmeckt wenigsten auch noch gut). Jede Destillerie ein Haus. Aber wir können das nicht mitschleppen! Schande! Trotzdem kaufen wir je eine kleine Flasche Clynelish für die kommenden kalten Tage zum Aufwärmen.

Diese Destillerie ist aber auch aus einem anderen Grund einen Besuch Wert. Auf jeden Fall ab dem nächsten Jahr, denn es wird gerade wieder die alte Destillerie in Betrieb genommen, wo der Whiskey nicht industriell, sondern manuell hergestellt werden wird. 1280 Pfund kostet aktuell ein spezieller Jahrgang pro Flasche (Name Brora).

Es ist heiß geworden in der Sonne und wir gehen von der Whiskey Probe den Weg zurück nach Brora. Einen kleinen Teil des noch nicht von uns getrunkenen Whiskeys tragen wir in kleinen Fläschchen mit uns. Wir sind halb verdurstet, als wir wieder im Ort ankommen und deshalb gibt es heute noch 2 kalte Getränke „im“ Pup, denn draußen scheint die Sonne zu mächtig.

Der Himmel auf und über Brora Beach

Aufgebrochen wird in Brora erst um 15 Uhr. Zuerst geht es mal wieder an einem Golfplatz vorbei, was sonst wohl!

Die Sonne im Rücken schweben wir über den nassen Strand. Es ist Ebbe und der breite, dunkle Sand feucht und gut begehbar. Sind wir wirklich in Schottland? Wir machen Fotos, machen Unsinn, sind jetzt betrunken von dem was uns umgibt.

Die Zeit der Steine beginnt

Doch irgendwann beginnt eine kleine Kletterei, denn am Ende dieses wunderbar weichen Gehweges müssen wir direkt am Zaun der  angrenzenden Eisenbahngleise über die dicken Steine balancieren. Immer eine Hand am Zaun, freihändig wäre das nicht möglich. Und so hangeln wir uns Meter um Meter vorwärts.

Aber auch dieser kurze Abschnitt ist irgendwann geschafft und es geht weiter auf einem steinigen Strand, oder auf einer mit Steinen unterlegten Grasnarbe. Hier ist der Weg so schmal in die Vegetation gefräst, dass man wieder einen Fuß vor den anderen setzten muss, will man nicht durch das kniehohe Grass trampeln. Ab und zu müssen wir kleine Bäche überqueren, die in das Meer münden.

Zum Glück ist die Flut noch nicht komplett zurück und meine eingefetteten Lederschuhe halten mich trocken, wenn mal kein Stein zur Verfügung steht. Aber ich sorgte mich um Ju, denn sie hat nicht so wasserfeste Treter wie ich, doch sie schafft es über die Steine.

Kurz vor Loth werden wir noch einmal mit einem tollen Sandstrand belohnt.

Dann kommen wir an Fluss Loth, den mit der Warnung auf der Karte „Be aware of river crossing“. Hier habe ich zum zweiten Mal einen meiner Stöcke benutzt. Und was macht Ju? Sie benutzt nicht den zweiten Stock, sondern findet auf der Suche nach Treibholz zum Schnitzen einen Wanderstab, der sie auf dem restlichen Weg begleiten wird.

LAGERFEUERROMANTIK AM LOThBEG POINT

Wegen unserer Trödelei in Brora ist es schon recht spät, als wir am Lothbeg Point ankommen. Hinter der nächsten Kurve ist ein Campingplatz, unsere Akkus sind fast leer und Wasser haben wir auch nicht mehr so viel. Alles wegen der Hitze weggetrunken. Daher wagen wir einen Blick und oh! Die ganze Landzunge ist eine riesige Weidefläche mit vereinzelten, derzeit unbewohnten Campingwagen. Ein sehr rustikales Waschhäuschen mit einem quietschenden Windrad macht einsam Geräusche. Eine Atmosphäre wie aus Spiel mir das Lied vom Tod. Aber das wirklich Tolle sind die mit Steinen begrenzten Feuerstellen, hier bleiben wir. Es gibt zwar keinen Strom und kein Trinkwasser, aber genug Treibholz und das Zelt steht auf einer kleinen Anhöhe mit Blick auf das Meer.

Die Tortellini kochen wir mit Meerwasser, drauf kommt Butter (die kleinen Butterstücke horte ich bei jeder Scone Verkostung). Als Abschluss gibt es den Rest Whiskey aus den kleinen Glasflaschen am glimmenden Lagerfeuer, das mir wirklich gut gelungen ist und noch lange brennt. Ju ist schon im Zelt und ich schreibe meinen Tagesbericht in mein kleines schwarzes Buch. Trotzdem ist es noch nicht richtig dunkel als ich in das Zelt krabbele, also wieder kein Sternenhimmel.

Der Weg

Wieder einmal nicht zu verfehlen, da es fast ausschließlich am Strand entlang geht. Achtung, wir haben die Tour mit Komoot bis Helmsdale, der eigentlichen Etappe aufgezeichnet. Heute waren es daher nur ca. 10 km.

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