John o’Groats Trail – Tag 9 – Ruhetag in Helmsdale

Gammeln, Belohnung und eine merkwürdige Begegnung

[04.05.2019]

Abgammeln am Morgen

An unserem Ruhetag wird erst einmal lange ausgeschlafen, rumgegammelt, Tee getrunken, Porridge gemachen, mit Marie gequatscht, Fotos angeschautund sortiert, Tagebuch geschrieben, einfach alles mal baumeln gelassen, alles!

Whiskey als Belohnung für einen Telefonanruf

Gerade als wir um 12 Uhr das Hostel verlassen kommt der Anruf von Vater und Sohn und wir verabreden uns am Timespan Café. Und was bekommen wir als Belohnung, obwohl wir doch nur die Polizei angerufen haben?  Eine Flasche Whiskey, die wir nicht mitnehmen können, aber in Hessen abholen werden, wenn ich im Sommer in der Nähe eine Freundin besuchen werde. Wir trinken noch eine Kanne Tee gemeinsam und erfahren welche Tour heute und in demnächst ein Tagen vor ihnen liegt. Die reißen ja Kilometer herunter!

Kein Geld, aber ein Besuch im Heimatmuseum

Nachdem die Zwei wieder weiter gefahren sind, essen wir noch je einen dieser himmlischen, selbst hergestellten Scones zum verbleibenden Tee. Danach Ernüchterung am Geldautomaten, irgendeine Stimme aus dem Nirgendwo spricht, als ich meine Karte einführe, und nichts passiert. Das Ding wird gerade repariert. Daher ziehen wir den Besuch des Museums im Timespan vor, lernen viel über die Heringszeit, die zur Zeit der Clearences eine der wenigen Möglichkeiten für die Menschen war, gerade genug zu verdienen um nicht zu verhungern. Das muss eine Schlimme Zeit gewesen sein, und die vielen kleinen Häfen, die wir angetroffen haben und noch antreffen werden, erzählen diese Geschichte. Und dann nimmt dieser blöde, reparierte Geldautomat meine Karte nicht an! Ju’s Karte wird akzeptiert, und so leiht sie mir einen Haufen Pfund, bis ich zum nächsten Geldautomaten in Wick komme.

Clearences Denkmal in Helmsdale

Am Ruhetag gehen wir nicht, sondern schlendern zur Emigrants Statue, die seit unserer Ankunft noch mehr Bedeutung bekommen hat. Aktuell ist sogar eine Delegation aus Neuseeland hier bin Helmsdale, die Bindung zu den Emigranten scheint sehr hoch zu sein.

Auf dem Rückweg kaufe ich noch einen Flachmann für unseren Whiskey und der nette Herr im Laden schenkt uns je eine Postkarte von der alten Burg, die zum Bau der Route 500 abgerissen wurde, und wo heute sozusagen das Emigranten Denkmal steht, das auf das Meer hinausblickt. Die Geschichte der Clearences ist sowieso hier oben in Schottland viel mehr verankert als ich je auf meinen vorherigen Reisen an anderen Orten gespürt habe. Nur über ihre Schlösser und Ruinen bleiben die Täter in Erinnerung, und eines davon beseitigt zu haben und dort ein Denkmal zureichten, das finden wir Klasse.

Kein Ruhetag für mein Tagebuch

Am Hostel zurückgekehrt sehen wir einen Mann mit kleinem Rucksack auf der anderen Straßenseite, er humpelt ziemlich. Ich schreibe ich noch ein wenig, denn ich schaffe es selten den kompletten Tag am Abend niederzuschreiben. Zumal täglich mehr Wörter hinzukommen, die nur so aus mir rausputzen. Heute, am Ruhetag habe ich die Einträge für die letzten zwei Tage aber geschafft.

Ju hat sich etwas im Zimmer ausgeruht, und sicher das Blumenbild viel angeschaut, denn sie hat das Foto gemacht.

Dinner im Timesspan

Um 18 Uhr gehen wir wieder im Timespan in das „The Prague Shack at River Café„, wir haben uns zum Essen angemeldet, denn, ein Land entdecken geht auch immer über den Gaumen. Als Vorspeise gibt es Veggie Burger Haggis für mich, der Hauptgang ist ein Kartoffelpüree mit Zwiebeln und Pilzen, alles lecker. Als Nachspeise gibt es eine Creme mit Himbeeren, saulecker! Was für ein köstlicher Abschluss für einen perfekten Ruhetag.

Der wütende Wanderer

Auf dem Heimweg sage ich noch: Es sind heute nicht so viele Eindrücke zu verarbeiten wie in den letzten Tagen, ist irgendwie komisch. Also gehen wir noch auf einen Whiskey in den Pup, das war Ju’s Idee. Und wen treffen wir dort? Den 60.-jährigen, der von JOG nach Lands End läuft, davon hatte ich vor der Abreise auf der Facebook Seite „Friends of John o’Groats Trail „gelesen. Er hat wohl schon ein Bier zu viel, schimpft über den Weg und will uns unbedingt ausreden ihn zu gehen. Ich lasse ihn ausquatschen, finde die Situation nicht toll, Ju haut schon ab, ihr wird das hier zu viel. Da ich mich aber zu ihm gesetzt habe geht das nicht so einfach.

Jeder geht seinen weg auf seine Art

Dann erzähle ich, dass wir schon bis Dunbeath gegangen sind und keine Eile haben, unsere Art eben, dass wir uns Zeit lassen, und dass der Weg das Ziel ist, und nicht das Ziel der Weg. Aber so ein Langstreckengeher wie er hat schon alles vorgebucht, er muss seine 25 Meilen im Durchschnitt pro Tag abreißen. So sind die Unterschiede.

Wir gehen die vorgegebenen Etappen mit den schweren Rucksäcken, naja, nicht alle, und wir haben uns im Vorfeld über die Strecke informiert und einen Sinn darin gesehen, warum einige Etappen kürzer, andere länger sind. Der Trail ist eben kein Spaziergang. Er erzählt, dass er in Lybster den Trail verlassen hat und an der Route 500 weitergewandert ist. OMG! Das wäre nichts für uns. Fast tut er mir leid, man muss eben seine Etappen nicht nur nach Kilometern, sondern auch nach der Wegebeschaffenheit planen. Ich frage ihn aus welchem Grund er diesen Weg auf sich nimmt und wieder geht jemand aus Charity Gründen, seine Frau ist vor Kurzen verstorben.

Der Club der 60-Jährigen

Am Nebentisch habe 2 andere Herren das Gespräch schon wegen der Lautstärke mitbekommen und scheinen sich über den Mann zu amüsieren. Auf ihren T-Shirts steht groß JoGLE, das Erkennungszeichen für ihre Wanderung. Wir lernen uns noch kurz kennen, sie sind von vornherein einige Abschnitte seit JOG nicht auf dem Trail gelaufen. Dann erkennen wir noch, dass wir alle 60 Jahre alt sind. Welch ein Zufall.

Jeder hat einen, seinen Grund zu gehen, manche Menschen müssen über die Meilen an ihre Schmerzgrenze gehen, oder haben für eine lange Strecke einfach zu wenig Zeit zur Verfügung und verpassen viel. Wir gehen, oder zumindest ich komme manchmal an meine Grenzen über das Gewicht.

Am Feuer im Hostel

Habe ich noch eine Zeitlang in den Büchern geschmökert, die dort im Regal stehen. Hier fühle ich mich sehr wohl, keine Hotel Lobby aus meiner 5 Sterne Hotel-Vergangenheit als Manager können das toppen.

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