Soonwaldsteig von Simmerbachtal zum Ellerspring – Tag 3

Hinauf, hinauf und bis zum Trekkingcamp auf dem Soonwaldsteig

[Wanderung 16,2 km, schwer] [570 Höhenmeter] [11.10.2020]

Meine Wirtin Veronika fährt uns um 8:30 zum Startpunkt. Wir haben bis zum Camp am Ellerspring nur ca. 16 km zurückzulegen, daher bleibt unterwegs sogar Zeit zum Vertrödeln.  Leider ist das Wetter immer noch grau, die Luft bereits schwül und feucht. Keine guten Voraussetzungen für die ordentliche Steigung, die direkt am Anfang auf uns wartet. Wir schaffen das, es fragt sich nur wie lange wir dafür brauchen. Sowas habe ich bisher mit schwerem Rucksack noch nie gemacht, und die 6 Liter Wasser, von denen 1 Liter mein Mozart trägt, sind auch nicht ohne.

Als wir am Simmerbacht ankommen, liegt mein Wanderstock noch immer an der Stelle, wo ich ihn gestern vergessen habe. Wir verabschieden uns und ab geht es für uns zwei zur Brücke über den Simmerbach im Kellenbachtal, denn so nennen die Einheimischen dieses Tal.

Steil hinauf zum Steinbruch

Um uns herum ist schnell alles wieder wild und grün. Das liebe ich an Pfaden, man ist mittendrin im Grün, auf Forstwegen läuft man irgendwie nur durch. Der Pfad am Bach geht nach wenigen Minuten über in eine Krakselei geradeaus in die Höhe.

Zuerst laufen wir über Waldboden, daher wurden für den senkrechten Anstieg Treppen aus runden Rohren verlegt. Die sehen aus wie Kanalröhren aus Ton. Nach wenigen Höhenmetern schwitze ich wie kein Bär es könnte. Es wird immer steiniger und ich sehe oberhalb etwas Licht. War es das schon? Wo ist der Steinbruch? Kein Steinbruch, aber ein toller Blick hinunter in das Kellenbachtal, bei genauem Hinsehen erkennt man auch die Straße. Tja, dann also weiter hinauf. Es wird noch steiniger, und irgendwann habe ich Alpenvisionen, nur die vielen Bäume gibt es im Hochgebirge nicht. Immer wieder muss ich kurz verschnaufen.

Mozart scheint das Klasse zu finden, er springt trotz seines Rucksacks munter bergauf. Er ist der optimale Weggefährte, denn er folgt immer bombensicher der richtigen Route. Ein etwas größere Steinbrocken wird umrundet und dann haben wir anscheinend das Schlimmste geschafft, denn wir kreuzen einen Weg. Doch denkste! Weiter geht es hinauf. Wir sind wieder im Wald, die Steine werden weniger, dafür bemooster. Inzwischen bin ich im Zen-Modus und fast überrascht, als wir an einer Bank an einem ebenen, kleinen Platz ankommen mit einem phantastischen Panoramablick über die unter uns liegende ferne Landschaft.

Wir sind oben, auf zum Koppenstein

Zeit für eine Runde Wasser, wir haben es geschafft! Von irgendwoher kommen Geräusche, das scheint vom Steinbruch zu kommen, der zu meiner Überraschung in Betrieb zu sein scheint. Nach all den alten Stollen gestern hatte ich auch hier einen frühzeitlichen und verlassenen Steinbruch vermutet.

Mozart mag gar nicht trinken, und so schütte ich sein Wasser zurück in die Flasche mit extra breitem Verschluss. Nur keinen Tropfen verplempern! Ich bin immer noch nass geschwitzt, fühle mich aber wieder fit. Nur Mozart zuckelt hinter mir her als wir ein langes, gerades Stück auf einem breiten Weg gehen müssen. Ich mache mir schon Sorgen, aber als es wieder senkrecht hinauf auf einen Pfad geht, springt er wieder munter vor mir her.

Wir begegnen 2 Pärchen und kurven hinauf zum Aussichtsturm Koppenstein, einem hohen, steinernen Turm, von dessen Zinnen fröhliche, laute Stimme zu uns herab klingen. Ich überlege gerade noch ob ich mit Mozart hinaufgehen soll, als die Stimmen herunterkommen und mir anbieten auf Mozart aufzupassen. Doch da höre ich weitere Besucher ankommen und entscheide mich dazu den Ort schnell zu verlassen. Es ist sehr eng hier am Turm, zwischen den überwucherten Ruinen der alten Burg, das ist nichts für meinen menschenscheuen Kumpel.

Über eine Treppe erreichen wir schnell einen Platz mit einer Schutzhütte, und da kommen auch schon die Ausflügler, ich schätze 15-20 Personen. Auf dem kurzen Stück bis zum Parkplatz, vielleicht 600 Meter, kommen uns noch mehr Menschen entgegen. Autsch, das wird eng am Koppenstein!

Abwechslungsreiche Wege

Bis zur Alteburg, dem nächsten Ziel, kreuzen wir 4x eine Straße, gehen mit freiem Blick auf die Landschaft über riesige Wiesen, ab und zu durch einen Wald und immer auf und ab.

Ungefähr auf halber Strecke kreuzen wir den Asbach, der genügend Wasser zum nachzufüllen führt. Erst Filtern, dann die Pille rein. Wer jetzt meint das ist ja cool, da muss man weniger Wasser schleppen, den möchte ich warnen, denn das Bächlein führt gerade etwas Wasser, weil es in den letzten Tagen geregnet hat.

Ich fühle mich schlapp! Die nächsten 50 Höhenmeter schleppe ich mich Schritt für Schritt vorwärts. Nahrungsaufnahme wäre vielleicht eine Option zur Kräftewiedergewinnung. Ein Blick auf die Karte sagt mir es sind noch ungefähr 2 km bis zur Alteburg, ein knackiger, kurzer Anstieg inklusive. Doch die Aussicht auf baldiges Essen gibt mir anscheinend Kraft und sogar einen zügigen Schritt. Auf ca. 620 Meter Höhe kommen wir mitten im Wald an einem steinernen Aussichtsturm an.

Ich schmeiße den Rucksack auf die einzige Bank, packe Käse und Knäckebrot aus und die Welt ist wieder komplett in Ordnung. Gerade als ich zum Nachtisch meine Nüsse knabbere, kommt ein einsamer Wanderer an. Ein kurzer Gruß und wir lassen uns in Ruhe, angenehm! Er verschwindet hinter dem schmalen Turm und ist glaube er ist hinaufgestiegen, dann kommt er zurück und fragt mit dem Navy in der Hand nach dem Weg. So unterhalten wir uns doch ganz kurz, um festzustellen, dass wir uns später am Trekking Camp Ellerspring wieder treffen werden.

Hier an der Alteburg gibt es auch ein Camp. Zwei Mountainbiker, die ankommen als ich gerade wieder aufbrechen will, erzählen mir das der Platz irgendwo da im Wald liegt. Sie sind nett und wir unterhalten uns tatsächlich eine Weile. Ein freundliches Friedensgespräch zwischen Wanderer und Biker beginnt. Es geht um Rücksicht und wir machen uns ehrlich gesagt auch etwas lustig über so manche Elektro Biker. Unserer rassistischer Meinung nach gehören die nicht auf die Pfade, wenn überhaupt dann auf die Forstwege, da müssen sie bergab nicht schieben.

Durch den Wald zum Ellerspring

Die nächsten 6 km bis zum Parkplatz Ellerspring sind herrlich, meist Pfade und nur ab und zu Forstwege. Mozart erstaunt mich, denn wenn wir auf einem Forstweg laufen, brauche ich gar nicht nach der Abzweigung zum nächsten Wald Pfad zu schauen, sobald er einen Pfad entdeckt biegt er ab. Ich muss mich nur noch mit einem Blick auf das Schild vergewissern, dass es sich um den Soonwaldsteig handelt. Die schmalen Pfade findet Mozart super und er legt dort meist Tempo zu. Dabei muss ich darauf achten nicht über die Wurzeln zu stolpern. Immer wieder kommen wir über kleine Lichtungen, dann sind wir zurück im dunklen Wald. Toll!

Nur mein Oberschenkel fühlt sich nicht gut an. Die Muskelzerrung, mit der ich mich nach einem harten Abstieg im April herumschlage, macht sich bemerkbar. Ich habe zwar Traumeel dabei und benutze es vorsichtshalber seit wir den Steig begonnen haben, doch die Belastung scheint zu groß zu sein. Zum Glück sind es keine starken Schmerzen, es ist nur unangenehm, fühlt sich wie ein kräftiger Muskelkater an. Zu Hause muss ich das mal richtig auskurieren.

Trekking Camp am Ellerspring

500 Meter nach dem Wanderparkplatz Ellerspring zeigt mir das Navi, dass links von mir im Wald das Camp liegen muss. Die Koordinaten bekommt man nach der Buchung. 100 Meter weiter und ich hätte den Zugang gefunden, ich aber stapfe mit schlechtem Gewissen mitten durch den Wald und erreiche die Lichtung am Lagerfeuer Platz.

Fünf mit Rindenmulch aufgeschüttete Bereiche markieren die Plätze für die Zelte. Ein sechster Platz nahe der Feuerstelle ist für ein großes Zelt. Der einsame Wanderer ist gerade dabei sein Zelt aufzubauen und kämpft mit den Heringen. Genau das Problem bekomme ich wenige Minuten später auch. Die Dinger wollen in dem Rindenmulch einfach keinen Halt finden, oder treffen auf steinigen Boden.

Zeltaufbau

Wir haben beide das Einbogen Zelt von Vango, ich die 2UL Variante, er das Normale 3 Personen Modell. Deshalb brauchen wir 2 Heringe an Kopf und Fußseite, die Spannung aushalten. Ich habe zum Glück etwas extra Schnur dabei und verlängere die Spannseile, so dass sie außerhalb des Mulchs halt finden. Das zusätzlich am Außenzelt angenähte Spannband klappt perfekt, die 2 kurzen Stangen an Kopf- und Fußseite kippen nicht mehr und halten das Zelt optimal gespannt.

Auch die kleine Schlaufe am Eingang hält mit meinem Wanderstock darunter geklemmt die Zeltöffnung wie ein Miniaturen Vorzelt. Als es später leicht anfängt zu regnen kann ich das Zelt so geöffnet lassen und das Außenzelt flattert nicht mehr an das Innenzelt, wenn die Öffnung eingerollt ist. Zu diesen Modifikationen gibt es bald einen extra Bericht, den ich hier verlinken werde. Ich Trottel habe nämlich vergessen Fotos zu machen. Irgendwie habe ich den ganzen weiteren Tag vergessen Fotos zu machen, so weit weg von technischen Geräten war mein Bewusstsein.

Gemeinschaft am Lagerfeuer

Vor dem kleinen Regen sitze ich noch mit Sascha, so heißt der einsame Wanderer, an der Feuerstelle bei einem heißen Tee, und wir unterhalten uns über Zelte, Heringe, das Camp hier am Ellerspring und den Soonwaldsteig. Als es dann anfängt zu nieseln verziehen wir uns in unsere Zelte. Ich chille eine Runde und genieße den Moment und die Ruhe, höre dem Konzert der Regentropfen und den Vögeln zu und bin einfach nur zufrieden.

Einer nach dem Anderen treffen die restlichen Wanderer am Ellerspring Camp ein. Ein Pärchen und 2 Gymnasiasten, und als wir schon alle am Lagerfeuer sitzen kommen noch zwei Männer, die aber unter sich bleiben. So klingt der Tag mit Gesprächen rund ums Wandern aus, einer nach dem anderen verschwindet in seinem Zelt, und zum Schluß sind nur noch die 2 Jungen am Feuer. Ich liege mit Mozart im Zelt, höre noch vereinzelt leise Stimmen, die nach und nach verklingen.

Mein Zelteingang bleibt offen, so bin ich nicht komplett von der Außenwelt getrennt, lausche den Waldgeräuschen und bin absolut zufrieden mit dem Augenblick und tauche irgendwann einfach hinein in meine Träume.

 

4 Antworten auf „Soonwaldsteig von Simmerbachtal zum Ellerspring – Tag 3“

  1. Hallo Beatrix,
    sehr schön das erlebte noch einmal aus der Sicht einer anderen Person zu lesen.
    Es ist eine schöne Tour gewesen und ich habe mein Equipment seitdem etwas angepasst.
    Das Zelt musste einen kleinen Vango Cairngorm weichen.
    Danke auch für den Tipp mit Tentmeal, habe bereits einiges bei meinen anderen Touren ausprobiert, lecker😋.
    Ich freue mich schon auf den Rest Deiner Aufzeichnungen und wünsche Dir alles Gute und eine schöne Zeit👋👋👋.

    Sascha

    1. Hallo Sascha,
      jetzt sind auch die restlichen 2 Tage online. Dabei war ich immer in deinen Fußstapfen unterwegs! Es hat mich sehr gefreut dich kennengelernt zu haben und wünsche dir tolle Touren in der Zukunft. Ich warte sehnsüchtig auf kühlere Temperaturen, denn alles über 25 Grad kann ich dem Mozart nicht zumuten.

  2. Deine tollen Berichte machen mir Mut es auch einmal selber auszuprobieren. Trekking Camps scheinen eine tolle, legale Sache zu sein. Jetzt brauche ich nur noch ein leichtes Zelt. Freue mich auf den nächsten Tag, habe gerade die Info bekommen, dass sogar Tag 5 schon online ist.

    1. Trekking-Camps sind sicher super, aber man ist damit ziemlich festgelegt, genauso wie mit Campingplätzen und klassischen Unterkünften. Am Schönsten ist es, wenn man zwar grob seine Etappen plant, aber den Platz für sein Zelt nach Zeitpunkt und Verfassung frei wählen kann. Deshalb wandere ich so gerne in Schottland.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.