Soonwaldsteig von der Lauschhütte bis Bingen – Tag 5

Die letzten Kilometer

[Wanderung 16,6 km, mittel] [200 Höhenmeter] [13.10.2020]

Um 6 Uhr am Morgen klingelt mein Handy. Wie gestern möchte ich früh los, um noch einmal den Zauber im Wald zu erleben. Hunger stellt sich ein, daher gibt es heute ein ordentliches Porridge zum Frühstück. Das Essen von gestern war zwar lecker, aber nicht so langanhaltend sättigend wie meine Trockennahrung. Es liegen nur noch 17 km bis Bingen vor uns, und vielleicht erwische ich gegen Mittag einen Zug nach Hause.

Stetig bergab

Der Himmel ist blau, die Sonne noch hinter dem Berg, als wir um 7 Uhr wieder auf dem Steig sind, oder besser gesagt wieder auf dem Schotter. Wir sind allein und begegnen nur einem frühen Wanderer, sonst ist alles still, selbst am Forsthaus Lauschhütte, wo wir den Schlüssel in den Briefkasten geworfen haben. Nach einem kurzen Anstieg geht es bergab und wir machen Tempo. Es ist nicht so dolle hier auf den breiten Wegen.

Nach ungefähr 3 km und ordentlichen Höhenmetern hinunter, biegt der Weg endlich ab und ein Pfad führt am Morgenbach entlang. Haha! Der Name passt! Wir machen eine kurze Trinkpause an einer Holzbrücke und ich muss mal und verbuddele wie üblich meine Hinterlassenschaften. Das mache ich mit Mozarts Hundekacke auch immer. Es sei denn man könnte auf potenzielle Mülleimer treffen, dann landet das Zeugs im Kotbeutel. Da ich immer eine Rolle Beutel dabei habe nutze ich sie auch für meinen übrigen Abfall und anfallendes Toilettenpapier.

Der Himmel hat sich zugezogen und es ist wieder so farblos wie an den ersten Tagen. Am Jägerhaus kommt uns ein Jogger entgegen und ein Auto fährt vorbei, sonst ist alles einsam und verlassen.  Der Morgenbach wird breiter und das Tal enger. Schade, dass sich jetzt die Sonne versteckt, das diffuse Licht erzeugt kaum Schatten und macht ein gescheites Handyfoto unmöglich. Meine Stimmung ist auch nicht so dolle, ich spüre das Ende, und das gefällt mir nicht.

Abkürzung zum Rhein

Als ein Weg aus dem Tal hinausführt habe ich anscheinend ein Zeichen am Baum gesehen, das aus der Entfernung so aussieht wie der Soonwaldsteig, es aber nicht ist. Diesen Fehler bemerke ich in meinem Trott erst kurz vor dem Schweizerhaus am Rhein. Autsch! Nochmal zurück? Nein! Der Rhein ist zu sehen und der Anblick lockt mich zu sehr, breit fließt er dort unten im Tal!

Der Pfad folgt am Hang entlang und an einer Bank mit freiem Blick auf Vater Rhein setze ich mich hin und bin angekommen. Wie jedes Mal passiert das vor dem eigentlichen Ende, an dem mich nur fremde Menschen erwarten und ich mich fühlen werde wie ein Alien. Es ist also geschafft! Drei kurze Tage und jeweils 2 Halbe, viel zu kurz, aber lang genug um mir Kraft zurückzugeben, die ich in den harten Corona Wochen verloren habe. Jetzt möchte ich nur noch nach Hause zu meiner Familie und freue mich darauf sie in ein paar Stunden wiederzusehen, um mit ihnen diesen Tag zu beenden.

Mein einsamer Moment ist nur von kurzer Dauer, der Pfad scheint ein beliebter Weg zu sein, und so ziehen wir weiter.

Zu einem ausgeschilderten Ausblick machen wir einen kurzen Schlenker, und ich bitte ein Pärchen darum ein Foto von uns zu machen.

Annäherung an Bingen

Wir kommen am Forsthaus Heiligkreuz vorbei, wo die Vorbereitungen für die kommenden Gästescharen laufen. Der Weg nach Bingen verläuft jetzt parallel zu einer Straße und immer mehr Menschen kommen uns entgegen, deren frisch geduschte Körper diverse Düfte verströmen. Haha, ich hoffe ich rieche nach gar nichts!

Wir erreichen einen Rastplatz mit Schutzhütte und Bänken und es verschlägt mir den Atem! So viel Müll! Papier, Plastik, Flaschen, Pizzakartons und Einkaufstüten überall verstreut!  Der ganze, große Platz ist eine Müllhalde! Warum?!?

Meine Gedanken kreisen um dieses Thema während wir den letzten, kurzen, knackigen Abstieg bewältigen, und urplötzlich stehen wir vor der Jugendherberge und sind in Bingen angekommen. Ich will nur noch weg hier und steuere direkt den Bahnhof an, bekomme eine Zugverbindung 12:20 und bin 4 Stunden später zu Hause.

Eine Antwort auf „Soonwaldsteig von der Lauschhütte bis Bingen – Tag 5“

  1. Juhu, ich bin jetzt auch mit dir in Bingen angekommen. Rein in Gedanken natürlich. Schade, dass der letzte Tag nicht so dolle war., und du die Burg verpasst hast (komme gerade nicht auf den Namen). Die Schweinerei an dem Rastplatz ist echt übel, war sicher eine Corona Party. Jetzt bin ich Gespannt wann es wieder los geht für euch Beide!

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