Die Angst vor dem allein im Wald

Wie, du gehst ganz allein Wandern!?!

Egal wer, egal wo, wenn das Gespräch auf meine Wanderungen oder Reisen kommt, dann ist das immer der erste Kommentar. Es ist aber nicht so, dass ich nur allein unterwegs war oder bin, und sicherlich fühlt man sich in Begleitung SICHERER, aber was ist das überhaupt?

Sicherheit

Absolut subjektiv. Bei Gewitter fühle ich mich im Auto sicher, aber nicht im Wald oder auf dem freien Feld. Das liegt an meinen gesammelten Erfahrungen, dem Wissen  um Gewitter allgemein und das Wissen um mein Verhalten bei Gewitter. Und genauso setzt sich meine Angst um alle Dinge zusammen. Erfahrung und Wissen.

Erfahrung

Ist eine lange Geschichte, die bereits im Babyalter beginnt. Erfahrung hat aber nicht nur mit uns zu tun, sondern im besonderen Maße mit den Menschen die uns umgeben.

Die böse Großmutter und andere Märchen

Bei mir war es tatsächlich meine geliebte Großmutter, die mir mit Geschichten vom Böllemann, dem Teufel und der Hölle, die Angst meines Lebens erzeugt hat. Bis in die Pubertät hatte ich Panik vor der Dunkelheit, Monster unter meinem Bett, in der Toilette, und hinter den dunklen Scheiben. Mein Lieblingsmärchen von den Gebrüdern Grimm war “Von einem der Auszog das Fürchten zu lernen”. In der Oberstufe habe ich mit Hilfe von Pädagogik, Sigmund Freud und viel Willen diese Angst besiegen können. Ein Therapieansatz war es, durch den dunklen Wald zu gehen und nicht wahnsinnig werden.  Ganz verschwinden tun sie nie, aber wenn die Angst an einem hochkriecht, kann man sie anfassen und wegwerfen. Fazit: Man kann anerzogene Ängste umkehren.

Mit dem ersten Kind kommen neue Ängste

Das war eine merkwürdige Erfahrung. Mit meiner Tochter kam plötzlich Höhenangst hinzu. Ich werde nie vergessen wie wir auf unserem Balkon in der zweiten Etage stehen und mir wird beim hinunter schauen übel, mein Magen drehte sich um. Heute bin ich Großmutter und es passiert mir immer noch, aber nur noch wenn meine geliebte Person neben mir steht. Allein kenn ich keine Höhenangst. Und das ist nur ein Beispiel. Die Mütter kennen das, die Angst um das Kind, und wie es sich auf einen selber überträgt. Man wird auf gut Deutsch gesagt zum Schisser. Wenn man das aber weis, dann kann man es einordnen und wenn ich allein bin und ich keine Verantwortung habe, ablegen. Anders ist es, wenn wir mit Begleitung unterwegs sind, die nicht unter unserem Schutz steht.

Meine Begleitung verringert meine Ängste

Das ist Tatsache, und sicher der Hauptgrund, warum viele Frauen nicht allein unterwegs sind. Die Begleitung lenkt mich ab, teilt meine Befürchtungen, oder sie Beschützt mich. So habe ich mich immer sicher in der Begleitung meines Freundes gefühlt, wenn wir in den Bergen unterwegs waren. Man kann aber auch Verantwortung teilen, oder sogar übernehmen und die andere Person beschützen, die Verantwortung übernehmen. Letzteres ist sicher (haha) der beste Weg, um seine eigene Sicherheit zu verstärken.

Wissen

Ist das Wichtigste im Umgang mit meinen Ängsten. Wenn ich weis, dass die Brüstung hoch genug ist, vergeht meine Höhenangst? Nein, das tut sie nicht wenn mein Enkelkind neben mir steht. Aber sie ist weg, wenn ich allein bin.

Kann mich Wissen schützen?

Macht es mich weniger Ängstlich, wenn ich weis, dass wir hier viele Wildschweine haben? Oder die Kühe mit ihren Kälbern? Wenn die mich schon anschauen wird mir flau im Magen. Wie heißt es so schön: “Unwissenheit schützt vor Strafe nicht”. Aber auch nicht vor Gefahr. Also formuliere ich den Satz mal um in:

Wissenheit schützt vor Gefahr

Und ich glaube dieser Satz ist das Beste, was ich zum Thema zu bieten habe. Denn es stimmt. Rational denken und sich thematisch gut vorbereiten ist der Schlüssel gegen die Angst.

Meine persönliches Angstprojekt

Eigentlich der Grund warum ich diesen Beitrag schreibe, ist Gewitter im Wald oder Feld. Es klingt verrückt, aber ich liebe Gewitter, solange ich vor meinem Haus oder Auto stehe und bei “Gefahr” rein gehen kann.  Ich weis aus Erfahrung um die Gefahr von Gewittern im Gebirge, habe dazu einiges gelernt als wir in Österreich gelebt haben, war aber damals immer mit meinem Freund unterwegs, der mir Sicherheit gab. Wie oben schon einmal erwähnt, konnte ich so meine Ängste abgeben. Das hilft mir aber beim Gewitter nicht weiter, wenn es mich allein im Wald erwischt.  Warum ist das plötzlich ein so wichtiges Thema für mich? Weil wir heute am Vatertag eine Wanderung gemacht haben und die Gewitter Gefahr mit potenziellem Unwetter in der Luft hing, und ich deshalb den Weg so ausgewählt habe, dass wir bis Mittag wieder in der Nähe von Bebauung unterwegs waren.

Meine wirren Ängste  in Worte fassen

Wenn ich jetzt meine Ängste zum Thema Gewitter in Worte fasse, so bin ich doch überrascht, wie wenig da auf dem Papier steht:

  1. Wie halte ich meine Hunde bei einem Gewitter ruhig?
  2. Wo halte ich mich am besten bei Gewitter im Wald auf?

Frage 1 kann ich nur abwarten was geschieht, Frage 2 gibt mir das Internet Auskunft. In der Hocke unter jungen Bäumen, und nicht am Waldrand.

Eigentlich gar nicht so schlimm, jetzt muss ich nur noch in ein Gewitter kommen und nicht kneifen. Alles einfacher gesagt als getan.

 

Weitere Angsprojekte

Angstprojekte könnten aber auch ganz anderer Natur sein, wie zum Beispiel:

  1. Schaffe ich den Weg, komme ich am Ziel an?
  2. Was, wenn ich unterwegs umknicke, oder aus einem anderen Grunde nicht weiter gehen kann?
  3. Wo schlage ich mein Zelt im Wald auf?

Bitte schreibt mir doch in den Kommentaren was eure Angstprojekte sind.

[Update: 13.05.2018

Heute ist es passiert. Es gab einen  Moment, da habe ich meine Tochter angerufen, um mich abholen zu lassen. Wir waren noch an der Strasse und die dunklen Wolken, Regentropfen und leichtes Gegrummel bereits in der Luft. Zwischen dieser Moment an der Strasse und meinem Auto lagen ca. 8 km durch den Wald. Ich wollte nicht, wußte aber dass ich diese Taufe hinter mich bringen musste und bin in den Wald hinein, und schon bald waren wir mitten im Gewitter. Ich hatte Angst, war etwas kopflos, immer mit den Gedanken an einen Rücksturz zur Strasse, doch die war bereits zu weit weg. Die Hunde haben meine Unsicherheit gespürt. Und ich habe Fehler gemacht, war zwar nicht am Waldrand, aber an einer breiten Kreuzung, wir haben uns unter eine große Buche gehockt, meine Hundis im Arm und abgewartet.  Eine ganze verdammte Stunde waren wir im Gewitter, das mal näher, mal weiter weg zog, immer direkt über uns oder bis ca. 6-8 km. Also direkt in unserem verdammten Wald. Jetzt muss ich die Übung noch einmal machen, die Angst ist noch nicht besiegt. Aber vielleicht kann man diese Angst auch nicht besiegen, sondern sich ihr lediglich stellen. ]

Eine Antwort auf „Die Angst vor dem allein im Wald“

  1. Super gedanklich aufbereiteter Beitrag zum Thema Ängste überwinden. Und das meine ich ganz allgemein.
    Mein persönliches Angstprojekt ist geradezu banal: Sich zu verlaufen.
    Und das Verrückte daran, wen ich meine Ängste dazu aufschreibe, dann gibt es mir gleich die Lösung. Karte lesen lernen, oder GPS.
    Danke für diesen Beitrag.

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