Uplandsteig Tag 2 – Eimelrod bis Trekkingplatz-Büller-Höhe

Ein windiger, regnerischer Tag mit Lichtblicken

[Wanderung 17,8 km, mittel] [400 Höhenmeter] [22.05.2021]

Der neue Tag beginnt wolkenverhangenen, windig, es nieselt leicht, es ist sehr kalt. Kein Wunder, wir sind hier auf ungefähr 600 Höhenmetern im Trekkingpark Sauerland. Abgesehen von der Kälte ist die Landschaft angenehm beruhigend. Die Welt unter uns liegt im Dunst des frühen Morgennebel.

Zum Aufwärmen bauen wir schnell unser Zelt ab, kochen Kaffee, ich verspeise mein stärkendes Porridge, und wir machen uns zeitig auf den Weg zum nächsten Trekkingplatz-Büller-Höhe bei Usseln. Zum Glück haben wir beide unsere warmen Jacken mit dabei und tragen Sie noch bis zur nächsten Ortschaft Needar unter unserer Regenkleidung. Judith probiert zum ersten Mal ihren neuen Poncho aus und ist super begeistert. Ich trage wie immer meine rote Regenjacke und Regenhose.

Es geht stetig bergab in Richtung Needar, entlang an Wiesen, durch waldige Abschnitte im feinen Nieselregen, der ab und zu der Sonne Platz macht. Regenbogenzeit!

In Needar entdeckt Judith einen Kasten mit der Aufschrift „Mach mich auf“. Klar macht sie auf und was steht drin? Schnaps und Schnapsgläser und das am frühen Morgen. Na, dann Prost, auch auf die netten Menschen, die den Kasten aufgestellt und befüllt haben!

Böminghausen und See

Parallel zum Flüsschen Needar und der Landstraße verläuft der Weg entspannt im Wald hindurch bis Bömighausen, wo wir auf eine Gruppe Ferienhäuser und eine Kneipanlage stoßen. Immer wieder kommt sie Sonne für ein paar Minuten durch und unsere Stimmung steigt.

Der Weg führt oberhalb des Örtchens entlang, wir kommen an einer Wiese mit Kühen und ihren Kälbern vorbei, weiter unten sehen wir Familien mit Kindern, die spazieren gehen. Am kleinen Bömighauser See angelangt liegt der Campingplatz Bahrenberg, an dem wir unsere Wasservorräte auffüllen und die Toilette besuchen. Ein schöner Platz, ein ruhiger Platz, ein winziger See. Genau richtig für eine kleine Rast in der komfortablen Grillhütte, denn es regnet wieder, und Ju muss etwas essen. Nach einem Snickers und der kurzen Pause wollen wir weiter gehen, sonst rosten wir hier noch ein. Unser heutiges Ziel, den Trekkingplatz-Büller-Höhe  haben wir noch lange nicht erreicht.

Gegenwind

Der Weg geht stetig bergauf und wir sehen linker Hand auf einer Weide wie ein Bauer die Kühe treibt. Er ist schneller als wir, unglaublich, und ich ahne so langsam, dass es heute noch hart für mich werden wird. Es geht immer weiter hinauf, ein Stück Landstraße wird etwas ekelig, denn der Wind bläst von vorne und bremst zusätzlich aus. Zum Glück folgt ein Waldstück, wir queren ein schmales Tal, das sich bis zu den Bäumen hinaufzieht und dann geht es endlich über Gras auf einem Panoramaweg am Höhenzug unterhalb des Grotenberg. Wir sind wieder auf 600 Metern Höhe angelangt.

Direkt oberhalb von Welleringhausen steht eine Hütte, die uns Schutz vor dem Wetter bietet, kein Wind! Doch schon nach einer kurzen Rast wird uns kalt und wir ziehen weiter.

Der zweite Tag ist wie immer der Anstrengendste für mich, aber anscheinend auch für Judith. Der Körper hat sich noch nicht an das Gewicht des Rucksacks gewöhnt und streikt bevorzugt nach einer Pause. So unter dem Motto: Das war jetzt genug, hier bleiben wir!

Eine Wanderfamilie kommt uns entgegen und ruft schon von weiten: „Und der Hund hat der auch einen Rucksack“, und beim näher kommen erkennen Sie dann Mozarts roten Rucksack und lächeln. Ansonsten treffen wir heute niemanden unterwegs, wir haben die Welt für uns.

Talvariante oder Bergvariante

Noch ein Stück können wir weiter auf weichem Gras gehen, dann führ uns der Weg hinunter zur Landstraße und zur Entscheidung. Talvariante oder Bergvariante. Die Talvariante führt uns direkt zum Trekkingplatz-Büller-Höhe bei Usseln, die Bergvariante über einen Umweg nach Usseln. Die Entscheidung fälle ich, mir ist heute nicht nach Berg, ich möchte direkt und schnurstracks nach Usseln und auf den Platz. Außerdem wissen wir noch nicht, ob wir überhaupt auf der Holzplattform zelten können denn der Wind bläst heftig. Alternativ hätten wir nur die Variante irgendwie zum Wanderparkplatz am Dommel zurückzukommen und im Auto zu schlafen, keine angenehme Alternative. Corona macht es eben unmöglich irgendwo unterzukommen.

Irgendein Muskel in der Leiste beginnt bei mir zu streiken, und der Weg parallel zur Landstraße ist auch nicht der Hit. Trotzdem war die Talwahl gut, denn als ich mega erschöpft in Usseln ankomme, sehen wir am Hang ein Haus mit der Aufschrift Büller Höhe, auf gleicher Höhe etwas weiter den Trekkingplatz-Büller-Höhe, im Windschatten durch den Wald geschützt! Juhu! Angekommen! Jetzt nur noch den Hügel hinaufkriechen und ich falle rücklings auf die Holzbretter.

Zeltaufbau am Trekkingplatz-Büller-Höhe

Doch keine Zeit zum Ausruhen, die Zelte müssen ausgebaut werden auch wenn es immer wieder nieselt und regnet. Gleichzeitig setze ich Wasser für Mozarts Kartoffelbrei auf, das geht selbst bei Wind und Regen ganz gut mit dem Windschutz. Dummerweise bricht mir beim Umrühren später der Plastiklöffel ab, und ich habe nur noch einen Löffel und eine Gabel ohne Griffe. Mein Unna steht schnell, es braucht nur an vier Stellen an den Ecken der Plattform und an den Ringen, die darauf angebracht worden sind befestigt zu werden.

Mit Judiths Zelt wird es etwas schwieriger, denn es muss an den Längsseiten gespannt werden. Zum Glück haben wir zusätzlich Leine, um das Problem zu lösen. Etwas schwieriger wird es mit den je 2 Abspannpunkten an Kopf und Fußende, denn hierfür stehen keine Ringe am richtigen Platz zur Verfügung. Judith krabbelt teilweise unter die Plattform und wir wickeln die Schnüre um die Holzplanken. Unsere Rucksäcke stehen derweil trocken in der Komposttoilette.

Einkaufen und Futtern

Nachdem alles steht, schnappen wir uns Masken und Portmonee und rutschen den Hang hinunter, um im örtlichen Supermarkt einzukaufen. Das Einkaufszentrum liegt direkt unterhalb des Trekkingplatz-Büller-Höhe. Mozart muss draußen warten und wir kaufen Wasser, einen stabilen Löffel und einen Nachschub Snickers. Beim Bäcker gibt es zusätzlich belegte Brötchen für morgen früh, denn falls es wieder regnet müssen wir den Kocher nicht anschmeißen um Wasser für mein Porridge zu erhitzen. Wir haben bereits auf der Karte die nächsten Schutzhütten herausgesucht, dort können wir dann in Ruhe unseren Kaffee kochen und Frühstücken.

Am Einkaufszentrum gibt es auch eine Pizzeria und wir bestellen jeweils eine Margarita mit Oliven. Netterweise, aber auch Corona bedingt verbotenerweise, dürfen wir unsere Pizza am Holztisch unter einem Vordach zu uns nehmen. Über die Qualität möchte ich mich hier nicht äußern, denn der Besitzer hat uns Gesellschaft geleistet. Glücklicherweise hat er die leeren Kartons gerade hinter seinem Rücken versteckt, als das Ordnungsamt auf Patrouille vorbeifuhr.

Gute Nacht Usseln

Überfettet aber satt kraxeln wir wieder hinauf zu um Trekkingplatzes-Büller-Höhe. Dort verweilen wir noch eine Zeitlang im Regen stehen und blicken hinunter auf das Örtchen, von dem immer wieder Geräusche bis zu uns hochschleichen. Zufriedenheit stellt sich ein, wieder eine Etappe geschafft, wieder einen Ort zum Schlafen, immer draußen in Wind und Wetter. Deshalb machen wir solche Touren!

Mozart ist pitschnass und muss ordentlich abgerubbelt werden, so ist er wenigstens etwas trockener, bevor ich ihn ins Zelt schicke.

Auch wir liegen früh liegen in unseren Schlafsäcken und beenden diesen anstrengenden Tag. Wie immer kuschle ich noch ein wenig mit dem feuchten Mozart und lasse meine Gedanken im Takt mit den Regentropfen auf meinem Zelt über den vergangenen Tag schweifen.

GPS Daten

Komoot hat leider nicht korrekt gespeichert. Hier die korrigierten Daten: 03:26; 17,8 km; 5,0 km/h; 410 m; 340 m

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