Diemelsteig Tag 2 – Wirmighausen bis Trekkingplatz Rhenequelle bei Schweinsbühl

Die Resonanz des Waldes

[Wanderung 17,8 km, mittel] [430 Höhenmeter] [26.05.2021]

Vereinzelte Tropfen fallen unregelmäßig auf mein Zelt, begleitet vom morgendlichen Singkonzert der Vögel. Wie können sie nur all diese unterschiedlichen Töne voneinander unterscheiden? Ich nicht! Diffuses Licht im Zelt signalisiert einen wolkenverhangenen Himmel. So beginnt mein Tag, der den Trekkingplatz-Rhenequelle-bei-Schweinsbühl zum Ziel hat.

Wieder schnell das Zelt abbauen, falls der Himmel sich dazu entschließt erneut Feuchtigkeit zu versprühen. Alles ist nass, es hat auch in der Nacht geregnet, davon habe ich aber nichts mitbekommen. Nachdem alles abgebaut ist, stelle ich meinen Rucksack zur Vorsicht in die Komposttoilette und es gibt Frühstück mit Tüten-Cappuccino und einem kalorienreichen Porridge. Mozart wartet schon auf den Aufbruch, und so ziehen wir los in diesen frühen Morgen.

Durch Wald und Flur

Direkt geht es auf einem Weg zwischen weitläufigen Ackerflächen hindurch, begrenzt von Wäldchen an beiden Seiten. In genauso einer Landschaft hat uns gestern der Sturm überrascht.

Schnell nähern uns dem Örtchen Wirmighausen, biegen aber noch vor den ersten Häusern ab und gehen weiter hinauf. Danach folgt der Weg leicht ansteigend dem hohen Tal und endet vor einem Mischwald, den wir nun durchqueren. Erst geht es leicht bergab, nach einer Biegung wieder hinauf. Neben uns hören wir ab und zu Fahrzeuge auf der Landstraße nach Flechtdorf, unserem nächsten Ziel.

Es geht sich gut heute Morgen, die Temperatur ist perfekt zum Wandern, und so vergehen die ersten Kilometer wie im Flug. Wieder passieren wir eine freie Fläche, wieder geht es durch ein kleines Waldstück, und dann stehen wir erneut vor einer von Wald begrenzten Hochebene, die leicht zum Städtchen abfällt. Pferde, Äcker und ein paar Windräder auf der Höhe. Das letzte Stück ist ein enger und steiler, und vom Regen rutschiger schmaler Pfad. Mozart ist mal wieder klasse, ich gehe vorsichtig vor, und er wartet geduldig auf meine Aufforderung zu mir aufzurücken.

Innenräume sind komisch

Am Ende des Abstiegs stehen wir mitten im Ort. Wo ist die Bäckerei Lamm? Das frage ich den Postboten, der sollte sich auskennen. Kennt er! Geradeaus, links, rechts, angekommen. Maske auf, Mozart anbinden, rein und Brötchen kaufen. Als ich nach einem Kaffee frage, werde ich eingeladen mit Mozart und im Warmen die Sitzgelegenheiten zu benutzen! Toll! Eigentlich war es mir draußen gar nicht kalt, in Bewegung ist Temperatur ziemlich irrelevant. Es sei denn es ist heiß!

Gerne nehme ich die freundliche Einladung an, trinke meinen Kaffee und esse mein Brötchen, ein weiteres stecke ich für das Abendessen in den Rucksack. Wasser brauchen wir heute nicht zu schleppen, denn der Trekkingplatz-Rhenequelle-bei-Schweinsbühl liegt an einer Quelle, somit reicht der verbliebene Vorrat für die kommenden Kilometer. In einer Unterhaltung mit der Verkäuferin erfahre ich, dass 2 Damen aus Menden (was für ein Zufall) kurz vor mir hier gesessen haben und auch den Diemelsteig gehen.

Irgendwie ist mir komisch in einem geschlossenen Raum zu sitzen, und so ziehen wir schnell wieder los.

Hinauf in die Stille

Draußen treffe ich wieder den Postboten, er begrüßt mich wie eine langjährige Bekannte und schickt mich um die nächste Ecke. Um die Ecke stehen Kirche und Gebäuden des Kloster Flechtdorf. Stein und Fachwerk, aber leider alles abgeschlossen wegen Corona.

Am Friedhof und blühenden Obstbäumen vorbei ziehen wir hinauf zum Mittelsberg. Echt krass, wenn man sich die Landschaft auf der Karte anschaut, liegen die Wälder und die Ackerflächen wie Streifen übereinander. Südlich sieht man auf einer Anhöhe eine Konstruktion, der Turm des meteorologischen Dienst.

Am Mittelsberg herrscht Chaos, Abholzungen und die typischen Narben im Boden und auf dem Weg verstreute Fichtenzweige. Das ist und bleib aber die einzige Abholzung, auf die wir auf dem kompletten Upland- und Diemelsteig treffen.

Der Weg der Stille

Nachdem der Weg zweimal abknickt, befinden wir uns laut Infotafel auf dem Weg der Stille. Noch begreife ich nicht warum der Weg so benannt wurde. Vor mir liegt ein ganz gängiger breiter Waldweg, der schnurgerade durch den teilweise lichten Wald mit Fichten und Buchen führt. Eine erste Spruchtafel von Rousseau lässt mich schmunzeln und das Handy zücken.

Ähnliche Spruchtafeln folgen in regelmäßigem Abstand und ich beginne sie zu lesen. Dann fällt mir auf, dass es hier tatsächlich still ist, nur die Bäume summen mit ihren Blättern und seine geflügelten Bewohner zwitschern wie immer in Moll und Dur. Etwas passiert mit mir, ich schwinge in der Resonanz des Waldes. Eine Leichtigkeit übernimmt Körper und Geist, es ist passiert, ich befinde mich im Gleichklang mit der Welt und schwebe wie in einem Traum, bis wir kurz vor dem Trekkingplatz-Rhenequelle-bei-Schweinsbühl aus dem Wald in eine Wiesenlandschaft hinaustreten.

Sonnenstrahlen und frisches Quellwasser

Die Ankunft am Trekkingplatz-Rhenequelle-bei-Schweinsbühl ist einfach nur WOW! Auf einer Wiese stehen verteilt eine Schutzhütte, eine Sitzbank mit Tisch, die Holzplattform und eine Komposttoilette. Luxus!

Außerdem haben sich in der Zwischenzeit die Wolken fast komplett verzogen, die Sonne kommt heraus! Zuallererst schöpfe mit meiner Tasse von der spärlich wasserführenden Quelle das kostbare Nass und schicke es durch meinen Filter. 1,5 Liter herrlich frisches und kühles Trinkwasser. Den Vorgang wiederhole ich noch 2x. Ich betrinke mich gleich!

Zelt aufbauen, Tee und Essen für mich und Mozart vorbereiten, Fotos machen, Ju anrufen, die Wärme genießen. Alles ist perfekt. Eigentlich hatte ich noch vor einen kleinen Abendspaziergang zu machen, aber nach den ersten Metern in Richtung Schweinsbühl rollen wieder dunkle Wolken an.

Zurück und schon geht es wieder los mit dem Regen. Egal! Wir setzen uns noch etwas in die Schutzhütte, beobachten eine furchtlose Goldammer und gehen wieder zeitig ins Wigwam, wo ich schnell mit den auf das Zelt tropfenden Regentropfen einschlafe. Es ist noch hell und der Regen hat aufgehört, als ich wieder wach werde und Stimmen höre. Anscheinend späte Wanderer oder Spaziergänger. Wortfetzen dringen bis zu mir durch: „Toll, romantisch, da ist jemand drin!“

Goldammer Konzert

Jetzt bin ich wach, und das ist ein Glück, denn eine Goldammer beginnt ihre kleine Melodie mit wunderschönen kurzen Tonreihen beim Abschluss ihres Gesangs. Es kommt mir vor als würde sie auf dem Zelt oder aber direkt daneben sitzen. Ich beginne genauer hinzuhören und da sind die Antworten seiner Kollegen:innen aus der Entfernung. Ein Singsang geht hin und her, endlos lang, und mit diesen wunderschönen Melodien schlafe ich irgendwann wieder ein.

GPS Daten

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