Uplandsteig Tag 1 – Dommel bis Trekkingplatz-Bockelau bei Eimelrod

Endlich wieder unterwegs in der Natur

[Wanderung 12,1 km, leicht] [220 Höhenmeter] [21.05.2021]

Außergewöhnlicher Weise scheint heute Mittag die Sonne nachdem sie in den vergangenen Wochen kaum zu sehen war. Nur eine leichte Brise weht über den Parkplatz am Dommel den ich als Ausgangspunkt für unsere Wanderung auf dem Uplandsteig und für die erste Etappe bis zum Trekkingplatz-Bockelau bei Eimelrod ausgewählt habe. Meine Freundin Ju trifft wenige Minuten später ein, sie wird mich in den folgenden vier Tagen begleiten. Danach geht es für mich und meinen braven Wanderhund Mozart auf dem Diemelsteig alleine weiter. Der Startpunkt ist strategisch gewählt, da sich hier Upland,- und Diemelsteig treffen.

Vorbereitung am Wanderparkplatz Dommelturm

Beide Wanderrouten hatte ich schon früher ins Auge gefasst aber immer Probleme örtlich nahe Übernachtungen auf Campingplätzen zu finden. Im Geomagazin habe ich ganz zufällig über die neuen Trekkingplätze im Uplandsetig

Trekkingpark Sauerland gelesen, und direkt bei der Touristen Information in Willingen nachgefragt. Als Bloggerin darf ich die Tour laufen bevor die Plätze eröffnet werden. Genau sieben Tage mit sechs Übernachtungen stehen mir zur Verfügung bevor Fotoblogger aus München ankommen und die Örtlichkeiten belegen werden.

Das ist also die Vorgeschichte zu unserem anstehenden Abenteuer. Aber bevor es losgeht müssen wir noch ein wenig die Rucksäcke umpacken. Ju bekommt wieder mein kleines Vango Helium und ich habe das Unna von Hilleberg mit dabei.  Zusätzlich packen wir diesmal noch jede Menge Schnur ein denn wir wissen noch nicht wie wir die Zelte auf den Holzplattformen spannen können und sicher ist sicher, denn oh Graus die Wettervorhersage sagt stürmische Böen voraus. Na, dann schauen wir mal ob wir wegfliegen oder am Boden bleiben.

Aufregung und Spannung steigen, was wird uns erwarten, wie werden wir nach den langen Corona Monaten und ziemlich untrainiert zurechtkommen, diese Frage beschäftigt uns. Mozart ist gut drauf, der kennt keine Bedenken, er bekommt seine Satteltaschen mit seinem Futter umgeschnallt und wir ziehen los.

Über Wiesen und seichte Hügel

Zuerst geht es abwärts am Dommelhof an einer Gruppe Highland Cows vorbei und ein Stück neben der Straße auf einem schmalen Pfad hinunter bis zur Landstraße. Danach steigt der Weg seicht bergan und wir finden uns wieder zwischen bunten blühenden Wiesen, es ist einfach fantastisch. Freiheit nach den düsteren Corona Monaten zu Hause. Der Blick schweift über neue Landschaften weit in die Ferne auf nie gesehene Orte. Alles scheint Neu und Frisch.

Schon nach wenigen Kilometern passieren wir am Waldrand die Trekking Plattform Niegelscheid mit Ausblick über Wiesen. Sicher kein schlechter Platz um am Abend Rehe zu beobachten. Etwas merkwürdig erscheint uns die Positionierung der Komposttoilette direkt neben der Plattform. Nach einem kurzen Stück durch Wald treffen wir wieder auf blühende Blumenwiesen, Rapsfelder, verfallene Scheunen und eine Gruppe junger Bullen. Judith muss direkt hin und Fotos machen.

Wir sind im Sauerland und denken an Wälder, insbesondere an kaputte Wälder. Was wir hier aber sehen ist eine sanfte Hügellandschaft mit Blumenwiesen und kleinen Baumgruppen in der Ferne, toll das hatten wir so nicht erwartet. Auch der Weg ist gnädig mit uns, sanft geht es bergauf und bergab, wir sind euphorisiert.

Bevor es nach Hemminghausen hinab geht müssen wir einfach auf einer Bank kurz Rast machen und den Ausblick genießen. Kurz vor dem Ort verlässt uns der Diemelsteig und wir gehen nur noch auf dem Uplandsteig weiter. Am Ortseingang liegt der Friedhof, hier kann man Wasser tanken. Im Ort darf Mozart Wasser aus dem Bach schlürfen, denn der Lümmel trinkt sehr ungerne unterwegs aus seinem Wassernapf. Wir verlassen das Dörfchen auf einem steilen Stück an einer Wiese hinauf. Jetzt machen sich bei uns beiden die faulen Corona Wintermonate bemerkbar, die Oberschenkel brennen. Zum Glück haben wir heute nur eine kurze Etappe und können uns so langsam an die bevorstehende Wanderung gewöhnen.

Kaffeepause

Es ist noch früher Nachmittag, wir haben Zeit bis zur Ankunft am Trekkingplatz-Bockelau bei Eimelrod, denn die Temperatur ist trotz der Sonne sehr schwach und man bleibt besser in Bewegung. Also machen wir in Eimelrod einen kurzen Abstecher zum Gasthof Sauer, vielleicht gibt es dort Kaffee. Auf unser Klingeln erscheint ein netter älterer Herr, der Besitzer des Gasthauses und wir dürfen tatsächlich jeder einen Pott Kaffee schlürfen und mit ihm eine längere Unterhaltung führen. Natürlich dreht sich das Gespräch um die Auswirkungen von Corona auf den Tourismus und die fehlenden Einnahmequellen. In der Scheune können wir unser Wasser auffüllen und bevor sich das Gespräch politisch entwickelt verabschieden wir uns und gehen zurück auf den Uplandsteig.

Am Trekkingplatz Bockelau bei Eimelrod

Unsere Stimmung ist so gut, dass wir in der Folge einen Abzweig verpassen und dummerweise geradeaus weiterlaufen. Wie erkenne den Fehler zum Glück bevor die Sonne untergeht, kehren um, finden den steilen Anstieg durch ein Wäldchen und sind wieder auf der richtigen Fährte. Es kann nicht mehr weit sein bis zu zum Trekkingplatz-Bockelau bei Eimelrod. Ein bisschen hinauf, ein bisschen hinüber, ein bisschen durch ein Waldstückchen an einer Schafsherde vorbei die friedlich auf der Wiese grast und wir sind da.

Auf einer schmalen Anhöhe zwischen ein paar Bäumen liegt der Trekkingplatz-Bockelau bei Eimelrod, 5-10 Meter entfernt eine Schutzhütte und die Komposttoilette. Die Plattform für die Zelte ist beidseitig von Bäumen gesäumt doch der Wind weht genau durch diese Lücke und zwar immer mal wieder mit heftigen Böen. Der Platz für die Holzplatform ist jedoch genial! Auf der südlichen Seite hat man einen phänomenal Blick über die Landschaft, wie man auf dem Titelfoto sehen kann. Traurig, dass uns der Wind in die Hütte verscheucht, aber selbst von dort ist das Panorama überwältigend.

Die Lösung mit Windböen und Zelt

In einer kurzen Windpause starten wir den Aufbauversuch von meinem Zelt, das sollte dem Wind standhalten, es sollte! Aber immer wieder reißt der Wind so stark am Zelt, dass ich eine unruhige Nacht befürchte, denn laut Wettervorhersage sollen die Böen sogar noch an Stärke zunehmen. Außerdem ist es völlig aberwitzig das Vango Einbogen Zelt hier bei dem Sturm aufstellen zu wollen. Judith meint wir sollten in der Schutzhütte schlafen, eigentlich eine gute Idee, dann aber bläst der Wind den aufkommenden Regen aus Südwest direkt in die Schutzhütte. Wir würden nass werden.

Mein Vorschlag, dass Unna in der Schutzhütte aufzubauen und gemeinsam darin zu schlafen kommt erst nicht gut an, aber nachdem ich Judith erzählt habe wie lang das Zelt ist (2,20 Meter), konnte ich sie überzeugen dort gemeinsam mit Mozart die Nacht zu verbringen. Irgendwie schon ein tolles Zelt mein Unna etwas schwer aber perfekt. Unsere zwei ISO Matten passen prima nebeneinander und am Fußende ist noch genügend Platz für Mozart, denn unsere Rucksäcke bleiben draußen.

Ausklang

Den Rest der Zeit bis zum Schlafengehen verbringen wir mit Tee trinken, unser Trekkingfood verspeisen und die Natur zu bestaunen. Immer wieder reißt der Himmel auf und die Sonne kommt durch, um gleichzeitig in der Ferne wieder Regen heranwehen zu sehen, Regenbogen Zeit. So mancher mutige Vogel flattert durch die Windböen, andere sitzen in den Bäumen und singen ihre Lieder, wir sind nur glücklich und zufrieden.

Als dann Ju auch noch den Whiskey auspackt verscheuchen wir sogar für kurze Zeit die Kälte und denken zurück an den gemeinsamen John o`Groats Trail in Schottland. Zwei Jahre sind seither vergangen, aber der Whiskey bleibt Ritual. Es ist noch hell, als wir uns in unsere Quilts kuscheln und bald darauf einschlafen.

Immer wieder werde ich wach, weil der Wind am Zelt reißt und die Bäume zum rauschen bringt. Irgendwann, es ist gerade windstill, muss ich muss raus auf die Toilette, dabei wecke ich im engen Zelt natürlich Judith. Der Mond scheint an einem wolkenlosen Himmel direkt auf uns herab, was für ein Anblick, auch die Sterne blitzen und funkeln am Firmament, was für ein Anblick. Und der Wind begleitet uns immer wieder in den Träume, bis zum Morgen.

GPS Daten

Komoot hat leider nicht korrekt gespeichert. Hier die korrigierten Daten: 02:20; 12,1 km; 5,2 km/h; 220 m; 290 m

3 Antworten auf „Uplandsteig Tag 1 – Dommel bis Trekkingplatz-Bockelau bei Eimelrod“

  1. Endlich wieder ein Bericht von dir! Habe mich schon gewundert, dass du so lange nicht auf Trekking Tour warst. Tolle Idee mit den Plätzen! Ich schreib dir mal eine Mail.

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