John o’Groats Trail – Tag 4 – Golspie to Brora and Dunrobin Castle

Der Tag der Schlösser und Grafen

[Wanderung ca. 12,5 km ,leicht] [ca. 100 Höhenmeter ] [29.04.2019]

Guten Morgen Golspie, heute besuchen wir Durobin Castle

Was war heute so los? Viel zu viel! Was? Eindrücke! Dunrobin Castle, Broch und hammer Strände. Wieviele Stunden der perfekten Schönheit erträgt ein Mensch? Es war auch ziemlich schwer unter all den tollen Bilder das richtige Beitragsbild auszuwählen. Aber obwohl dieser Tag unter den Augen des ersten Grafen von Sutherland verlief, habe ich mich NICHT für das Schloss entschieden.

Geschrieben wird am Abend vor dem ins Zelt gehen

Brora am Strand, es ist Abend, die Sonne bereits untergegangen, es ist kühl, aber nicht so kalt wie gestern Abend. Vielleicht lag es auch an der Erschöpfung, ich war gestern echt hinüber. Vielleicht ist das am zweiten Tag normal. Der Rucksack drückt auf die Hüften, die Po-Muskulatur schmerzt, und sowieso war der Rucksack gestern echt schwer mit dem extra Wasser und Avocados und Birnen und Keksen. Unnnützes, leckeres Zeugs. Die Tütensuppe war gestern aber sowas von ekelig, zum Glück hatte ich das unnütze Zeugs dabei. Heute Abend gab es die Entschädigung beim Inder, aber davon später.

Was war heute sonst noch los? Viel zu viel! Was? Eindrücke! Dunrobin Castle, Broch und Hammer Strände. Nach dem Abendessen war ich sowas von auf Endorphine, grenzwertig.

Golspie am Morgen und ein Breakfast for Champions

Es begann mit einem bitterkalten Morgen am Waldrand, dem weichen Waldboden im traumhaften Balblair Wood (die Brücke ist übrigens nicht kaputt), und dem kurzen Weg nach Golspie.

In Golspie gab es ein schottisches Frühstück mit Black Pudding, Speck, Bohnen und Ei in der warmen Sonne.

Beim Ortsausgang am Meer trafen wir einen netten älteren Herrn mit seinem Kantenschneider. Er klärt uns auf über die Statue, die wir seit gestern auf einem Berg hinter Golspie erblicken. Es ist die Statue des ersten Duke of Sutherland. Wer bitte baut sich ein Denkmal auf dem Ben Bhraggie! Damit es rundherum alle sehen können? Aber lest bei Wikipedia selber die Geschichte über „The Mannie“.

Der Wiesenpfad am Meer

Die Sonne scheint und wir schlendern auf dem Gras entlang bis Dunrobin Castle, das Schloss des Grafen von Sutherland, in Sicht kommt. Mit seinen Türmchen sieht es aus wie ein schottisches Neuschwanstein am Meer.

Das Märchenschloss Dunrobin Castle des bösen Duke

Wir machen einen Besuch und ich zahle nur 10 Pfund Eintritt, weil ich 60 plus bin, cool! Zuerst geht es in den Garten. Mir fehlen die Worte für diesen wohlgeformten und doch wilden Garten im hohen Norden. Der Himmel ist strahlend Blau und hinter den Schlossmauern brandet das Meer.

Ganz ehrlich? Ich habe zig Fotos von den Blumen und Pflanzen gemacht, Ju auch. Ich  habe 2 für euch herausgesucht.

Wir lernen etwas über den Unterschied zwischen Falken und Adlern, wohnen einer Vorführung bei, die der Falkner mit so viel Elan und Überzeugung darbietet, dass man nur begeistert sein kann.

Von Reichtum und Armut

Danach fängt für uns die eigentliche Dunrobin Castle Besichtigung an, eingerahmt wie die vielen Bilder der Ahnen an den Wänden. Ich treffe Wächter, die bereitwillig mit mir über die Highland Clearences und den Brexit reden, aber auch auf liebevoll eingerichtete Zimmer, alles schön dekoriert. Speisesaal, Frühstückszimmer, Kinderzimmer und Bad, um einige zu nennen. Kurz und gut, ein Luxus Kulturschock.

So haben Menschen gelebt, und einige tun es sicher immer noch. Haben die gearbeitet? Was haben sie für die Menschen hier getan, außer Schuldige der Clearences gewesen zu sein? Englische Besetzer. In meinem Gespräch mit einem Wächter wird mir erzählt, dass Sutherland nicht so schlimm war wie andere böse Lords weiter südlich. Was immer er mit weniger Schlimm meint. Vielleicht dass den von ihrem gepachteten Grund Vertriebenen Menschen gesagt wurde „Sie könnten doch auf den Gräbern ihrer Vorfahren verrecken“. Was Sutherland betrifft, so sagt das Schloss und sein riesiges an der ganzen Küste Kilometerweit zu sehendes Monstermonument „The Mount“ auf dem Berg „Ben Bhraggie“ etwas Anderes.

Das Broch Carn Liath und die Anmut der Steine

Weiter geht es an der Küste entlang auf einem breiten Rasenstreifen und einem gut begehbaren Weg, durch ein kleines Wäldchen mit herrlichen Blumenfeldern. Märchenhaft.

Nach dieser Opulenz im Schloss entdecken wir ganz unscheinbar das Carn Liath Broch. Ein Grashügel mit den Resten eines imposanten Turmes und einigen Außenanlagen. Drinnen herrscht Ruhe. Wir verweilen eine Zeitlang in ehrfurchtsvoller Stille. Ich lasse die Bilder sprechen.

Und weil die Schautafeln so viel über das Broch erzählen, füge ich sie hinzu.

Der lange Strand bis Brora

Auf dem weiteren Weg treffen wir immer wieder auf Hundebesitzer auf ihrem Spazierweg. Zuerst kamen oder gingen sie nach Golspie, jetzt kommen sie aus Brora, unserem Ziel. Der Weg zwischen Brora und Golspie scheint sehr beliebt zu sein. Es geht immer wieder über den Sand, Steine, oder die Grasnarbe der Uferbegrenzung. Ju und ich beginnen mit der Schatzsuche nach Steinen und Muscheln. Blixa hätte es hier gefallen.

Wir sind voll auf Entdeckungsdroge und nehmen jede Kleinigkeit in uns auf.

Nach einer imposanten Felsformation weist der Weg hoch in den Ginster, und wir konnten den Wasserfall mit dem lustigen Namen „Sputie Burn“, den ich schon auf so vielen Bildern gesehen habe, von oben bestaunen.

Wieder zum Strand abgestiegen geht es weiter auf der Grasnarbe oberhalb des Strandes. Es heißt jetzt immer einen Fuß vor den anderen setzten, es wird dezent mühselig die Balance zu halten und man muß genau darauf achten wohin man tritt.

Vor Brora halten wir Ausschau nach einem geeigneten Platz für unser Zelt, wollen aber erst in der Stadt etwas futtern. Die Reis Pampe vom Vortag muss mit anständigem Futter überlagert werden, auch wenn ich heute morgen bereits das schottische Frühstück hatte, Ju aber nur einen Kaffee und einen Scone.

Brora

Wir betreten die Stadt vom Strand aus, gehen an einem kleinen Gezeitenhafen, in den ein Fluss mündet entlang bis wir zu einer Brücke kommen und auf ein großes Schild unseres Trails stoßen.

Direkt am Bahnhof betreten wir ein indisches Restaurant und essen uns satt an Chutney und scharf gewürzten indischen Gerichten. Saulecker. Im kleinsten schottischen Dorf gibt es authentischeres und besseres indisches Essen als Menden und Umgebung.

Das Zelt am Strand

Nach dem Essen gehen wir satt und zufrieden an den Platz zurück, den wir vorher ausgesucht haben, entscheiden aber spontan das Zelt im Sand vor der Grasnarbe aufzuschlagen. Die Flut wird nicht bis hierherkommen, es ist alles um und vor uns weicher, trockener Sand. Wie cool ist das! Die Wellen brechen sich sanft am Strand, die Seevögel kreischen im Akkord, es dämmert. Irgendwo da draußen am Horizont leuchtet ein Leuchtturm sein Licht über das Meer. Wir sind so erfüllt von all dem Gesehenen, Erlebten, und ich zu aufgekratzt zum Einschlafen, schleiche mich noch einmal aus dem Zelt und sehe, Bingo, eine Sternschnuppe. Diesmal kein Wunsch, diesmal war es als ob Blixa mir ein Hallo sendet. Danke mein alter Kumpel.

Anmerkung: Das mit Blixa und den Sternschnuppen in Schottland hat eine Bedeutung, da ich mir jedes Mal etwas gewünscht habe, was mit ihm zu tun hatte. Alle Wünsche sind in Erfüllung gegangen.

Der Weg

Dazu muss man nicht viel sagen, denn es geht fast ausschließlich am Strand entlang. Man kann sich hier nicht verlaufen!

 

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