John o’Groats Trail – Tag 7 – Helmsdale via Badbea to Berriedale

Grasbüschel, Zäune, Moor, Balbea und Berriedale

[Wanderung ca. 15,5 km, schwer] [ca. 430 Höhenmeter] [02.05.2019]

Highland Clearences, der Stille Begleiter des Tages

Wir haben beschlossen die nun kommende Etappe, die laut Marie nicht einfach ist, insbesondere wenn man sich mit den Bedingungen einer Klippen Wanderung noch nicht so auskennt, ohne die schweren Rucksäcke zu machen und mit dem Bus zurück nach Helmsdale zu fahren. Hinzu kommt als Entschuldigung, dass es in den nächsten Nächten unter null gehen soll, und Ju’s Schlafsack ist nicht so warm wie meiner. Daher wird dieses unsere Testetappe, zumal es billiger ist im Hostel zu bleiben als in Berriedale ein B&B zu suchen.

Vor uns macht sich unser 80ig Jähriger auf nach John o’Groats. Er wird von Freunden in einem Camper abgeholt und steht schon Minuten vorher aufgeregt herum. Er wird heute Nacht noch einmal in diesem Hostel schlafen, dann werden wir hören wie es ihm ergangen ist.

Heute fliegen wir über den Trail

Auch wir ziehen los, haben meinen Rucksack mit viel Wasser und Proviant gefüllt und marschieren mit leichten Füßen, später abwechselnd den Rucksack tragend los. Es ist fast wie fliegen.

Hinter dem Hafen geht es zuerst am Strand entlang, dann auf einer steinigen Grasnarbe, wir treffen auf die Ruine eines Steincottages, wir gehen und gehen so leicht und beschwingt, bis wir an einem Wasserfall ankommen.

Hier sollte es doch irgendwo einen Pfad hinaufgeben in Richtung Navidale! Den haben wir beschwingt verpeilt! Zurück, oder den steilen Abhang hinauf krabbeln? Wir entscheiden uns für das Krabbeln. Oben angekommen müssen wir noch über einen Zaun mit Stacheldraht, aber ein Eckpfosten ist unsere Rettung. Ju will eigentlich nicht über Zäune klettern, tut es mir dann aber nach.

Wer den Weg findet ist klar im Vorteil

Es geht weiter über Weidewiesen, die nach den Grasnarben gar nicht mehr so schlimm sind, man gewöhnt sich an Alles. Es geht immer wieder über Zäune mit Hilfe, oder ohne die Hilfe von Stiles, kleinen Holzstufen auf beiden Seiten, oder durch Gatter am oberen Rand der bewachsenen Klippen entlang.

Wir achten auf die Wegweiser, damit wir die Kletterhilfen, Kissing Gates und sogar einmal eine Drehtür aus Metall nicht verpassen.

Relikte aus dem zweiten Weltkrieg

In regelmäßigen Abständen stehen hier kleine Beobachtungsbunker, oder was immer das war, aus dem zweiten Weltkrieg. Eigentlich sehen wir diese Konstruktionen schon seit Brora in regelmäßigen Abständen. Eine von den Bunkern dient uns als Futterstelle und prompt beginnt es kurz und heftig zu regnen, aber wir sind im Trockenen und beobachten die Truppenbewegungen auf der weiten See. Alles Ruhig! Oh Europa! Bleibe uns der Frieden erhalten!

Weiter geht es den Schildern nach, teilweise gefühlt querfeldein durch die Vegetation, und die besteht aus allen Arten von Gras, Farn, Blumen und immer wieder Ginster. Den Weg erkennt man manchmal an den Schildern, manchmal daran, dass dort vielleicht jemand entlang gegangen ist. Macht der Weg einen Knick nach links, so kommt meist ein Bächlein.

Durch das einsame, kleine Moor

Aber bald geht es lange nach links und hoch hinein in die trockene, aber immer noch an einigen Stellen feuchte Moorlandschaft mit niedrigem Heidekraut. Man muss aufpassen nicht über die am Boden sich ausbreitenden Äste zu stolpern. Alles ist schwarz und grau, und blass-grün wo sich etwas Wasser im Boden staut. Ich fühle mich sehr einsam, auch wenn die Route 500 immer näherkommen. Wie muss das erst in einem einsamen Hochmoor sein!

Wir treffen auf Reifenspuren und am Weg liegen zugeschnittene Holzplanken. Später kapieren wir, dass die wohl vom Ranger des John o’Groats Trail sein müssen, der am folgenden Tag unten am Ousdale die Lage zum Abstieg hinunter erodiert hat und eine Lösung sucht. Doch dazu später, denn vorher kommen wir noch an ein einsames , verfallenes Broch mit einem phantastischen Blick zwischen den Anhöhen hindurch auf das Meer.

Hinunter zum Ousdale

Danach beginnt direkt der Abstieg, beginnend mit einer Holztreppe, es geht tief und ziemlich steil hinunter bis in den Taleinschnitt des Ousdale. Zum Glück kann man sich gut an den Bäumen festhalten, denn es geht hier sehr alpin zu. Ein Segen für uns, und insbesondere Judith, die sowas anscheinend noch nie gemacht hat, ist es trocken und nicht rutschig. Sonst hätten wir Seile benötigt. Ich habe meinen Spaß, Kletterpartien habe ich früher in den Alpen besonders gemocht.

Unten angekommen sehen wir die Holzbrücke über das Flüsschen. Entweder ist es hier an der Ostküste viel wasserärmer als im Rest von Schottland, oder auch hier hat die Trockenheit eingesetzt. Viel Wasser ist nie in den Bächen und Flüssen.

Badbea das Highland Clearences Dorf

Nach der Brücke geht es direkt wieder hinauf, aber gemächlich, nicht so steil wie am anderen Ufer. Wir kommen wieder in die Reichweite des Meeres und der Abstand zum Rand ist manchmal etwas beunruhigend, zumal hier ein kalter Wind pfeift. Die Gegend ist unwirklich und menschenfeindlich. Trotzdem stand hier ein kleiner Ort, Badbea.

Wir treffen auf die Überreste von Mauern und Häusern, viel stehen geblieben ist nicht. Ein absolut unwirklicher und beklemmender Ort eingeklemmt zwischen den Steinmauern, welche die Schafe vor dem Sturz in die Tiefe schützen sollten, und dem Abgrund selber. Hier durften die vertriebenen Pächter hausen. Der fruchtbare Teil des Landes war für die Schafe reserviert. Abartig wie viele Schafe um 1800 pro Kopf auf einen Einwohner kamen. Mehr als 100.

Es gibt keinen direkten Zugang zum Meer. 12 Familien lebten hier mit ihren Kindern und den wenigen Tieren. Tiere und Kinder wurden teilweise angebunden, damit sie nicht über die Klippen gingen oder flogen. Ich kann mir das gut vorstellen, besonders wenn der Wind aus dem Hinterland kommt und in Richtung Meer weht.

Viele Menschen sind im Zuge der Highland Clearences verstorben, durften plötzlich Heringe fangen und ausnehmen oder einfach verrecken. Tausende sind ausgewandert, wie die Statue in Helmsdale darstellt.

Es ist eigenartig, dass wir hier überhaupt keine Fotos gemacht haben, ausgenommen eines vom Denkmal, das hier ein Nachfahrer, der nach Neuseeland ausgewandert ist, errichtet hat. Dies ist ein Ort, den man nicht in Bilder nachempfinden kann, man muss hier gewesen sein.

Ankunft in Berriedale

Wir verlassen schweigend diesen Ort, trotten auf der anderen, sicheren Seite schweigend an der Mauer entlang, und wir werden aus dieser Trance erst wieder geweckt als wir Berriedale vor und unter uns im Sonnenschein liegen sehen. Was für ein Blick über weite, sich den Hang hinunterziehenden Weiden mit Schafmamas und ihren Lämmern, die immer wieder schwanzwedelnd an den Zitzen saugen.

Auf der gegenüberliegenden Seite, auch hier fließt ein Fluss in das Meer und hat einen tiefen, auf beiden Seiten steilen Einschnitt erzeugt, sehen wir die Route 500 sich in Serpentinen den Hügel hinaufwinden. Unser Trail führt uns sanft in das im Tal liegende Berriedale hinab. Mit Palim, Palim und wieder Freude im Gesicht laufen wir fast den Hang hinab, aber oh weh, es ist bereits 16 Uhr, der Tearoom in Berriedale hat bereits geschlossen.

Direkt daneben befindet ist der Laden einer Goldschmiedin  der noch geöffnet hat, wird treten ein. Eine Bayerin mit Punkfrisur, die es über Edinburgh und Lybster hierher nach Berriedale verschlagen hat! Bis der Bus kommt haben wir noch fast 2 Stunden Zeit und beschließen dem Trail bis zum Endpunkt der heutigen Etappe zu folgen.

Der alte Hafen von Berriedale

Es geht an einer Reihe kleiner, aneinander gereihter Cottages vorbei zu einem natürlichen Hafen, hinter einem Felsen und dem daneben liegenden Strand, wieder mit einer Reihe aneinander gereihter weißer Cottages, die man über eine Wackelbrücke erreicht.

Dieser Ort ist eine kleine, stille Perle inmitten der rauen Schönheit Drumherum. Es ist absolut nicht in Worte zu fassen. Wir stehen und staunen, sind still, fast ehrfurchtsvoll, ein absolut mystischer Ort, gekrönt von einer Burgruine auf dem seeseitigen Felsen.

Es ist Ebbe, und wie wir später von Patrizia (der Goldschmiedin) erfahren, kann man bei Ebbe über den Strand gehend eine kleine Höhle erreichen. Doch das wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, auch nicht, dass man die Cottages mieten kann, und folgen dem Trail den Hang hinauf, auch um der Kälte zu entkommen.

Rumgehen und Zeit todschlagen

An der Route 500 angekommen treffen wir auf einen Soldatenfriedhof. Hier gibt es an der Straße eine Haltebucht, dort könnten wir morgen den Bus bitten anzuhalten. Um warm zu bleiben folgen wir ein Stück der Straße zum oberen Ortsteil von Berriedale, hier wird mächtig gebaut, nur um dann wieder den gleichen Weg zurück zu gehen. Wieder den Hang hinunter, über die Wackelbrücke, an den Cottages und dem Fluss entlang und zur Bushaltestelle an der Straße gegenüber dem Ladens von Patrizia. Die kommt auch gerade von ihrem Abendspaziergang zu besagter Höhle zurück und bietet uns eine Passage nach Helmsdale an falls der Bus nicht kommt. Sowas kommt hier vor, und sie will sowieso nach Helmsdale zu einer Veranstaltung im Timespan. Irgendetwas mit Auswanderern aus Neuseeland.

Der Bus kommt und in weniger als 20 Minuten sind wir wieder im Hostel und essen Reste vom Vortag. Unser 80-jährige Radfahrer ist auch zurück, aber so gut wie auf dem Weg ins Bett. John o’Groats bis Helmsdale hat er geschafft. Respekt!

Der Weg

Vom Hafen aus der Beschilderung folgen.  Bevor es um eine Felsnase geht, und der Strand nur noch aus Steinen besteht, den Hang hinauf gehen. Der komplette folgende Weg oberhalb der Klippen ist ausgeschildert, man muss aber die Augen offenhalten und manchmal nach Gefühl gehen, um die Übergänge von Weide zu Weide nicht zu verpassen.  Man kommt an einem Bunker direkt vorbei, danach ist der Weg wieder eindeutiger zu erkennen und führt dann zum Hochmoor. Hier bei jeder Wegmarke nach der nächsten Ausschau halten und die Richtung einschlagen. Das geht so bis man an einem Broch ankommt.

Danach geht der es ziemlich steil zum Ousdale hinunter. Vorsicht, besonders bei Nässe besteht Rutschgefahr. Über die Brücke und auf der gegenüberliegenden Seite sanft wieder zur Klippe hinauf gehen. Der Küstenlinie folgen, bis man auf Badbea trifft. Am Denkmal vorbei und dem wieder dem Wegweiser folgen. Bald führt der Weg auf die meerabgewandte Seite der Steinmauer. Danach geht der Weg weitere 1-2 km durch Graslandschaft, bis man kurz vor Berriedale über eine sanfte Wiese in das Tal absteigt.

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