Sauerländer Waldroute Etappe 4 – im Weihnachtsbaum Wald

Waldroute Etappe 4: Von Amecke nach Arnsberg

[Wanderung 22 km, mittel] [470 Höhenmeter ] [14.01.2018]

Endlich gutes Wetter für eine Tagestour auf der Sauerländer Waldroute. Wegen der fehlenden Busverbindungen am Sonntag, ist meine Tochter wieder so lieb und bringt mich extra am Sonntag Morgen nach Amecke. Allzu früh kann ich keinen Transport erwarten, also fahren wir  10:15 Uhr ab und nach einer halben Stunde Autofahrt kommen wir um 10:45 an.

Die magische 20 km Marke auf der Sauerländer Waldroute

Ich bin schon innerlich etwas Aufgeregt, denn zum ersten Mal werde ich mehr als 18 km gehen, und das im Winter, wo Pausen kurz und kalt sind. Ich kann mit Mozart nicht einfach so 4-5 Stunden durchlaufen, dazu ist er noch zu Jung. Zum Glück gehen die letzten Kilometer durch Arnsberg, so dass ich nicht befürchten muss im Dunkeln im Wald zu stehen. Vorsorglich habe ich eine Taschenlampe mit dabei, genug zum Essen und Trinken, meinen kleinen Hocker und noch ein paar Dinge, damit der Rucksack ein wenig wiegt.

Dann gehen wir mal los!

In Amecke startet der Weg nicht auf einem breiten Feldweg mit Kies, Super. Doch die Freude dauert nicht lange, und wieder geht es auf breiten Wegen oberhalb der Sorpe weiter, stetig sanft bergauf.  Und irgendwann treffen wir wieder auf ein Schild mit einer Sagengeschichte.

Lange folgen wird der Sorpe Richtung Norden auf einem Kamm, und ab und zu erhascht man einen Blick über das Sorpetal.

Das Wetter ist Bombe, es ist kalt und schwitzen ist heute eine Unbekannte.  Den ganzen Weg bis Sundern treffen wir immer wieder auf Kahlschläge, die Kyrill hier hinein gebohrt hat. Es ist enttäuschend, dass man hier immer wieder neue Tannenanpflanzungen sieht. Nach ungefähr einer Stunde erhaschen wir einen kurzen Blick auf unser erstes Ziel: Sundern.

Sundern liegt in einem tiefen, schmalen Tal

Und begrüßt uns mit Bäumen und Wiesen. Die Wegmarkierungen sind nicht zu übersehen, verlaufen kann man sich nicht. Trotzdem blicke ich hin und wieder auf meine Karte, denn ich weis gerne, wo wir uns gerade befinden.

Es geht weiter durch Besiedlung und in Serpentinen hinunter in das schmale Tal. Es ist Sonntag, die Stad ist schön leer. Ganz unten folgt die Waldroute ein Stück der Einkaufsstrasse, typisch für jedes Städtchen im Sauerland, immer die gleichen Geschäfte! Kirchgänger kommen uns entgegen, die Messe scheint gerade zu Ende zu sein. Es ist kalt, eine Pause angesagt, also gibt es für mich einen schnellen Kaffee und Mozart muss mal wieder Menschen aushalten, das macht er nicht gerne. Dann gehen wir halt weiter und verschieben die Pause auf den nächsten Hügel.

Oh weh, ich habe irgendwie die Route verlassen, hier in der Stadt sind zu viele Schilder, da entgeht einem das grüne Waldrouten Zeichen sehr schnell. Ein Blick auf die Karte und ich finde den Weg wieder. Steil geht es bergauf, wieder in Serpentinen und an Wohnhäusern vorbei. Kurz bevor es wieder in den Wald geht stehen krasse Villen. Wer hier wohnt braucht kein Fitness Studio. Doch die meisten Waldbesucher scheinen mit dem Auto hier hinauf zu fahren, ein kleiner Parkplatz ist voll mit Karossen. Ein Mann steigt mit seinem Dackel aus und meint “Es ist saukalt heute”. Ich bin verdutzt, denn vom Anstieg ist mir mollig warm geworden.

Die Kreuzberg Kapelle

Haha, Kreuzberg! Dieser ist bedeutend höher als mein Berliner Kreuzberg. Und an seinem Hang steht eine kleine Kapelle und davor einige Stationshäuschen mit Etappen von Jesus am Ölberg. Die Sonne scheint, eine Bank steht neben der Kapelle, das ist unser Rastplatz.

Trotz der warmen Sonne wird es bald kühl und wir gehen auf einem schmalen Pfad oberhalb der Kapelle weiter. Die folgenden Kilometer gehen wir stetig bergauf und nur hin und wieder über eine Forststrasse, aber meist auf schmalen Wegen und  je höher wir kommen immer mehr durch: TANNEN!

Im Tannenbaum Land

Jetzt sind wir tatsächlich im Weihnachtsbaum Land angekommen. Links Tannen, Tannen rechts. Wohin das Auge blickt. Plantagen voll mit Tannen. Ich bekomme den Tannenbaum Koller.  Das Beitragsbild ist der Höhepunkt des Tannen Wahnsinns.

Doch der Weg ist wunderschön, blendet man die Plantagen mal aus. An irgendeinem Punkt kommen wir an einer Bank vorbei, und wie ein Mahnmal stützt sich dahinter ein abgestorbener Tannenstumpf wie ein Finger in die Höhe. Die Aussicht hier ist Atemberaubend, es scheint der höchste Punkt zu sein, den wir heute erreichen.

Raus aus den Tannen, rein in den Arnsberger Wald

Ein kleines Stück noch begleiten uns die Tannen bis wir die Strasse L685 kreuzen. Hier stehen einige Autos, anscheinend ein Wander Parkplatz. Bisher sind uns nur wenige Menschen begegnet. Hauptsächlich Mountain Biker im Teilstück vor Sundern. Hier treffen wir hin und wieder auf Wanderer und Spaziergänger. Auch eine nette Frau mit Hund, mit der ich eine ganze Weile über das Wandern rede.
Der Wald hier ist wunderschön. Der Waldboden fast durchgängig bedeckt mit braun-roten Blättern. Die Sonne scheint durch die kahlen Äste und zaubert Lichtspiele auf den Waldboden, der im Sommer im Schatten der Bäume liegt.

Ich bin wie verzaubert und merke meine Füße nicht mehr, die an den Ballen immer wieder schmerzen. Wir gehen wie in einem Traum über die weiche Blätterdecke durch ein Märchen.  Zeit für eine kleine Pause in der Sonne auf einer Lichtung. Mein Höckerchen ist ein zusammenklappbares Dreibein von Robens. Im Herbst und Frühling mein Sitzplatz vor dem Zelt, um der Bodenkälte zu entkommen. Beim Wandern im Winter mein Begleiter. Wiegt nur ein paar 260 Gramm.

Es gibt Butterbrot und Apfel für mich, und eine Handvoll Leckerlis für Mozart. Die Wasserflasche enthält Wasser für Hund und eine Reserve für mich. Mozart trinkt noch sehr ungern aus seinem Napf, am Liebsten aus Bächen, aber das muss ich ihm abgewöhnen, wenn wir in Wales wandern, denn dort gibt es zu viele Schafe und das Wasser könnte Keime enthalten. Ich habe einmal auf Sardinien einen Welpen an so eine Schaf Infektion verloren und bin vorsichtig.

Wir sind auf Glückshormonen

So lange waren wir noch nie unterwegs, und die Füße und Pfoten tragen uns weiter, als ob wir noch bis in die Nacht und darüber hinaus gehen könnten. Die Umgebung trägt einen großen Beitrag zu diesem Gefühl bei. Auch ich lege einen Stein auf das Gebilde unten im Bild und fühle mich eins mit dem Universum. Mit jedem Schritt befreie ich mich ein Stück mehr von irgendeinem Mist in meinem Kopf. Ich gehe zu mir.

Arnsberg wir sind angekommen

Auf dem Höhepunkt des Glücks lichtet sich vor uns der Wald und der Blick wird frei auf Arnsberg.

Die Sonne steht schon tiefer und die Schatten werden immer länger, doch wir sind angekommen ohne die Taschenlampe gebrauchen zu müssen. Ein wenig windet sich der Weg mäßig bergab, doch das letzte Stück oberhalb des Industriegebietes im Tal ist steil. Verflixte Brille, ich bin gezwungen mit gebeugtem Kopf zu gehen. Wer eine Gleitsicht Brille wie ich trägt, kennt das. Treppe runter oder bergab gehen heißt Kopf senken.

Unten angekommen geht es ein paar Meter zwischen Industriegebäuden durch, über eine Strasse und schon sind wir auf der “Insel” mit dem Schlossberg. Echt schön hier, mit kurzen Wanderwegen direkt am Hügel oder an der Ruhr entlang drumherum. Es sind viele Spaziergänger unterwegs. Ich verliere mal wieder das Waldrouten Zeichen und muss Pi mal Daumen die Richtung durch die Strassen finden. Auf dem “Gipfel” mit dem Ehmsen Denkmal hat man noch einmal einen tollen Blick auf die “Unterstadt” von Arnsberg. Ich frage wo der Bahnhof liegt, also nach der Himmelsrichtung.

Es geht am Kloster Wedinghausen vorbei über die Ruhr und hinein in die Stadt. Die letzen Meter bis zum Bahnhof scheinen endlos, denn wir gehen eine breite, unromantische Strasse immer geradeaus entlang an öden Geschäften, bis, bis endlich im Hintergrund das weiße Bahnhof Gebäude auftaucht.

Wir haben es geschafft!

Der volle Zug nach Dortmund trifft in wenigen Minuten ein und wir sitzen an der Toilette und einem schmalen Durchgang. Mozart findet das nicht so toll, viele fremde Menschen, die wenige Millimeter an ihm vorbeigehen. Aber die Vollpanik bleibt aus, das mit dem Bahnfahren klappt richtig gut.
Natürlich ist in Fröndenberg der Zug nach Menden bereits vor 3 Minuten abgefahren. Ich hasse diesen Bahnhof, die kriegen keine ordentlichen Anschlüsse zwischen den Zügen in das Hönnetal und dem Zug Bestwig -Dortmund auf die Reihe. Wie viele Stunden hab ich hier schon abhängen müssen, es nervt einfach tierisch. Trotzdem kommen wir gegen 6 Uhr glücklich und gar nicht müde zu Hause an.

Was für ein besonderer Tag!

2 Antworten auf „Sauerländer Waldroute Etappe 4 – im Weihnachtsbaum Wald“

    1. Hallo Kurt, das freut mich, denn Rundwege sind eine ganz andere Sache. Wir sind jetzt schon von Iserlohn bis Arnsberg gegangen, das hinterlässt ein ganz anderes Gefühl im Kopf.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.