Sauerländer Waldroute Etappe 6 – Möhnesee Torhaus bis Lattenberg

Waldroute Etappe 6: Über Neuhaus entlang der Großen Schmalenau zum Lattenberg

[Wanderung ca. 14 km, mittel] [ca. 360-400 Höhenmeter ] [06.04.2018]

Der Morgen am Möhnesee begann sehr frostig, wie ich später herausfand zeigte das Thermometer an einem Wohnwagen noch um 8 Uhr Minus 5 Grad an und mein kleines UL Helium war eingefroren.

Mein Quilt von Enlightened Equipment hat wieder einmal warm gehalten. Unglaublich, an das Nicht-Gewicht auf meinem Körper werde ich mich noch gewöhnen müssen. Mozart habe ich in der Nacht auch davon überzeugen können unter meine warme Decke zu schlupfen, und so lagen wir am Morgen eng umschlungen in meinem winzigen Zelt. Leider hatte das Innenzelt viel Kondenswasser, aber wundert es mich? So dicht am Wasser? Beim Aufrichten wurde leider mein Quilt ein wenig feucht, und zum Trocknen auf die Leine gehängt.

Mein Zelt war mit einer dünnen Eisschicht bedeckt, und da der Bus erst um 9:30 fährt, haben wir genügend Zeit für einen kleinen Spaziergang, man nennt sowas auch Kackrunde am Morgen. In der Zwischenzeit hat mein kleines Vango Zelt genügend Zeit um in der aufgehenden Sonne aufzutauen.

Ein Malheur am Morgen kommt selten allein

Ich verrate hier nicht wie es passiert ist, nur dass es passiert ist. Meine Wanderhose war pitschnass, meine Unterhose auch. Und nun? Meine Tochter anrufen und abholen lassen? Nein, ich gebe nicht auf, ziehe meine lange Wollunterhose wieder an, und da die sehr durchscheinend ist, ziehe ich meinen Regenrock von Enlightened Equipment darüber an. Ist mir sowas von egal wie ich rumlaufe! Ein Bild davon habe ich bei meiner Rückkehr gemacht, es wird am Ende dieses Beitrages zu sehen sein.

Das Porridge muss ich wieder mit Finger und schlürfend essen, man erinnere sich an den vergessenen Löffel. Der Kocher kippt dann auch noch um und das endlich warm gewordene Wasser für meinen Tee landet in der Wiese. Und wie sich später herausstellt habe ich mein gutes Opinel Messer am Campingplatz verloren!

Wieder auf der Sauerländer Waldroute

Im Bus sind wir die einzigen Fahrgäste, steigen am Campingplatz Delecke Süd aus, geben den Schlüssel zurück und los geht es zurück auf die Waldroute. Diese verläuft oberhalb des Südufers und ist ein Teil des Rennweges. Der erste Kilometer ist auch Teil des Klangwaldes. Man sollte aber bei Wind den Klangwald besuchen. Heute ist es windstill, die Sonne scheint, es ist einfach ein wunderschöner Tag mit strahlend blauem Himmel.

Der Möhnesee Turm

Nach etwa 2 Kilometern erreichen wir den Möhnesee Turm, den ich gestern schon von der Fußgängerbrücke sehen konnte.

Hier befindet sich auch eine der vielen Schutzhütten, die wir auf dem Weg finden werden. Den Turm besteige ich nicht, da ich Mozart nicht allein hier unten zurück lassen möchte.

Weiter geht es durch den lichten Wald, noch sind die Bäume kahl und die Sonnenstrahlen erreichen den Waldboden überall, denn es gibt hier kaum Tannen! YEAH!

Viel zu bald schon treten wir aus dem Wald und kommen an einen merkwürdigen Ort. Ein Gasthaus? Ein Schrebergarten? Ein Campingplatz?

Das unfreundliche Frankies Camp

Egal was es ist, am Eingang steht ein merkwürdiges Gebilde aus Puppen und einer amerikanisch anmutenden Szene mit Tankstellenflair! Ein warmes Getränk, das fehlt mir noch zu meinem Glück, man erinnere sich an das umgekippte Teewasser. Es ist 11:20, meine freundliche Frage nach einem Kaffee wird unfreundlich beantwortet: “Wir machen erst um 12 Uhr auf!” Da steh ich nun und bin perplex, kehre der typischen Biker Bude den Rücken und gehe weiter des Weges.

Das Holzfäller Dörfchen Neuhaus im Hevel Tal

Gut dass Frankie noch geschlossen hat. Manchmal mein es das Schicksal gut mit einem. Ich habe mich instant verliebt in dieses Tal. Es hat einen Zauber, der nicht zu beschreiben ist, selber hinfahren und anschauen!

Landgasthaus Zum Tackeberg

Auf der anderen Seite des Dörfchens, sozusagen am Ortseingang, oder Ortsausgang, je nachdem wie rum man es sieht, empfängt mich warme Herzlichkeit.  Vor dem Gasthaus stehen zwei Personen und auf meine Frage: “Gibt es schon einen Kaffee bei Ihnen”, bekomme ich die Antwort: “Wir machen erst um 12 Uhr auf, aber einen Pott Kaffee, den können Sie gerne haben.” WOW!

Ich werde eingeladen auf der Bank vor dem Gasthaus Platz zu nehmen, bewirtet mit einem Pott Kaffee und  einer angeregten Unterhaltung über Dorf, Wandern und die Waldroute. Erzähle von meinem Miniabenteuer, und ratzefatze sind 30 Minuten vergangen und ich werde gefragt ob ich etwas essen möchte. KLAR! Einen selbst gemachten Kuchen!

Meine Liebe zu Neuhaus ist noch um einige Grade angestiegen. Besonders, als man mir mit hilft in Arnsberg anzurufen und für 17 Uhr ein Taxi zum Lattenberg zu bestellen, da man nicht sicher ist, ob es dort Netzempfang gibt. In Neuhaus ist mein Handy auf jeden Fall ohne Empfang.

An der Großen Schmalenau entlang

Schweren Herzens verlasse ich das Landgasthaus und seine netten Besitzer, gammel aber noch ein wenig an der Heve rum, lese die Schilder an den Bächen und genieße die wärme in der Sonne.

Bachtäler

Hier in Neuhaus startet auch ein Wandererlebnis mit Namen Bächtäler, eine ca. 6 km lange Wanderung mit Schildern und Erklärungen zum Thema Bäche, Renaturierung, Pflanzen,-  und Tierwelt.

Mozart freut sich wieder unterwegs zu sein. Auch wenn er langsam lernt die Pausen auch als Pausen zum ausruhen zu nutzen. Jeder Bach würde am liebsten ausgetrunken, aber ich achte auf Stellen, an denen wir nichts zertrampeln, oder wo wir Tiere stören könnten.

Auf dem Donnerschen Weg entlang der Großen Schmalenau

Fast der ganze Weg durch das Tal führt manchmal oberhalb, manchmal parallel zur Großen Schmalenau,  meist durch den lichtdurchfluteten Wald. Es ist Mystisch heute, eine Zauberwelt.

An manchen Stellen bilden die unterschiedlich eingefärbten Bäume ein Landschaftsbild.

An anderen Stellen stehen die Erinnerungen an den Sturm Frederike wie Skulpturen am Wegesrand.

Und was macht der Rucksack?

Heute fällt es mir tatsächlich leichter, das Ding auf meinem Rücken ist nur zwar da und immer noch nicht leichter, aber es stört nicht mehr. Klar, so herumspringen wie ohne Gewicht kann ich nicht, aber es fühlt sich nicht mehr so fremd an, wird immer mehr Teil von mit.

Fast den Weg verloren

Die Waldroute ist gut ausgeschildert, nur an einer Stelle haben wir fast die Abzweigung verpasst. Genau bei km 79 geht ein Waldweg ab dem man nur wenige Meter folgen muss, denn das Schildchen, das Rechts in den Wald hinein auf einen schmalen Pfad führt, kann man leicht übersehen ( Wir sind erst ganz den Berg hoch gegangen, um oben zu bemerken, dass etwas nicht stimmt). Dieser kleine Pfad ist wunderschön, er führt oberhalb des Tals durch und am Wald entlang. An einer Stelle geht es sogar über kleine Holzstege und genau dort muss man wieder auf den Weg achten, denn die Beschilderung ist etwas versteckt.

Über den Dinkelweg zum Lattenberg hinauf

Eigentlich geht es die ganze Zeit leicht bergauf, man merkt es nur kaum, so schön ist der Weg! Der Dinkelweg ist wieder ein breiterer Forstweg, der wieder in ein Tal hinaufführt, durch das ein Bach fließt.  Nach etwa 1 km bleibe ich verzaubert stehen. Ein Teich, nein eine Quelle! Fehlen nur noch die Feen und Kobolde!

Dieses Bild zeigt eigentlich alles was wir heute gesehen haben in einem Bild. Wasser, Licht und Wald. Eine Tafel weist auf die Quelle hin und auf die Salamander, die hier heimisch sind. Es lohnt sich den Text auf der folgenden Tafel zu lesen!

Ankunft am Lattenberg

Wieder ist eine Etappe viel zu schnell vorbei. Auch wenn wir heute viele Pausen gemacht haben, um die wunderschöne Welt des Arnsberger Waldes zu genießen. Die Euphorie und das Glück ist um und in uns. Die sanften Wiesen in der winzigen Holzfäller Siedlung Lattenberg strahlen die Wärme der Sonne zurück.

Wir haben noch eine Stunde Zeit bis das Taxi kommt und schlendern langsam zum Wanderparkplatz. Machen noch Bilder von den Tafeln und setzen uns anschließend auf die Terrasse des heute geschlossenen Waldgasthaus Schürmann’s.

Pünktlich um 17 Uhr trifft das Taxi ein und bringt uns hinunter zum Bahnhof in Freienohl. Dort geht es mit dem Zug mit Umstieg in  Fröndenberg zurück nach Menden.

Zum Schluss das versprochene Bild mit meinem Outfit des heutigen Tages.

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