Auf dem Rob Roy Way von Drymen nach Aberfoyle – Tag 4

Willkommen in den Trossards

[Wanderung 20,4 km, mittel] [270 Höhenmeter] [16.10.2019]

Die Nacht über regnete es leicht, der Morgen unseres ersten Tages auf dem Rob Roy Way begann nebelverhangen mit blitzenden Wassertröpfchen in der Luft und auf der Natur.

Aufstehen, es geht auf den Rob Roy Way

Der kurze Pinkelgang mit Mozart begann mit feinem Nieselregen, aber dann kam der Schauer zusammen mit einem ganz in schwarz gekleideten jungen Engländer am Campingplatz an. Wir treffen an der großen, offenen, alten Scheune mit Küche und Holztischen und Bänken zusammen. „Kann man hier duschen? Ohne hier zu campen und ohne zu bezahlen?“ Ich verweise auf den Kasten, in dem man ehrlich den Besitzer für die Benutzung der Scheune, inklusive Duschen, Toiletten, Strom und Wäscheleinen zum Trocknen bezahlen kann.

Morgentliches Bummeln in der Scheune

Als Nächstes kümmere ich mich um meine Habe, die in den Rucksack gestopft wird, danach das Innenzelt aushängen und verpacken und abschließend das Außenzelt auf die Leine hängen. Das Zelt der Französin Manu und das des stillen Schwaben, der gestern noch spät ankam landen auch auf der Leine. Toller Service diese Wäscheleinen, auf der jetzt 3 Zelte und einige Klamotten zum Trocknen hängen können.

Manu ist definitiv am Besten organisiert, man merkt sie hat Routine. Ziemlich zeitig ist sie auf und davon. Ob alles gut geht mit ihren Trailrunnern und dem Morast? Gestern hatte sie über die wenigen Pfützen gestöhnt. Der Junge in Schwarz lädt sein Handy und telefoniert dabei herum, fragt alle ob Interesse an seinem Trockenfutter besteht, sein Rucksack ist so schwer! Niemand hat Bedarf, wir sind alle versorgt. Er scheint die ganze Nacht hindurch gewandert zu sein und zieht als Nächster von dannen, erzählt mir aber vorher, dass es den ganzen Tag heftig regnen soll. Wie ich gleich erfahre ging er zurück nach Glasgow.

Marcel und der Apfelbaum

Der nächste Wandere kommt an, während ich einen Tee schlürfe und Porridge futtere. Er ist vor wenigen Minuten dem schwarzen Jungen begegnet und hat es gestern nicht bis zum Campingplatz geschafft und unter dem Apfelbaum gezeltet. Die Äpfel hat er vorher weggeräumt. Wie lustig, auch mir war gestern der Platz als einer der wenigen Plätze für ein Zelt auf der Tunnel Strecke aufgefallen.

Jetzt sind wir 3 Deutsche auf dem Platz. Beide Männer haben viel zu viel Zeugs im Rucksack. Diese Tour ist für Beide die erste Weit-Wanderung. Frauen scheinen hier und heute die Organisierteren zu sein. Marcel, der letzte Ankömmling, hat sogar noch einen kleinen Rucksack auf der Brust dabei. Ziemlich spät ziehen wir gemeinsam los in Richtung Drymen, dort will er einen Bus zurück nach Glasgow nehmen und versuchen am Bahnhof einen Teil seines Gepäcks zu deponieren. Eine bessere Idee kam mir in Drymen, denn von dort fährt ein Bus zur nächsten Bahnstation, die liegt am WHW und dort könnte man ein Depot finden, vielleicht sogar einen Campingplatz. Er kommt eh auf dem Rückweg von Fort William dort wieder vorbei. Hoffentlich klappt alles, ich mag Marcel. Leider habe ich vergessen ihn nach Kontaktdaten zu fragen.

Erste Schritte auf dem Rob Roy Way

Wo bitte beginnt der Rob Roy Way? Ich sehe hier auf dem Platz nichts außer der Bushaltestelle, es ist aber auch verflixt wenig in dem nebeligen Regen zu erkennen . Also die Karte befragen. Eine Single Road führt schnurgerade und immer leicht ansteigend in Richtung Norden, das sollte es sein. Und mitten auf diesem Weg kommt die Sonne hervor! Raus aus den auf Anhieb zu warmen Regenklamotten und weiter geht es.

Vor der ersten Kurve ein phantastischer Blick über Loch Lomond, und weiter geht es stetig aufwärts. Irgendwann treffen wir auf die Kreuzung mit dem West Highland Way, der kurz vor Drymen von meiner Route abgezweigt ist.

Nach jeder Kurve kommt die Erkenntnis, es geht weiter hinauf, bis zur Belohnung, einem Hochmoor mit kleinem See und einem Telefonmasten on Top. Es ist bereits 12 Uhr! Das kommt von der Trödelei heute morgen. Es war jedoch sehr nett andere Wanderer kennenzulernen, aber ein Tag reicht auch, die folgenden Tage freue ich mich auf etwas einsamere Wege.

Eigentlich habe ich noch keinen Hunger, aber der Sonnenschein und das Gefühl endlich angekommen zu sein läßt mich ein paar Minuten rasten, etwas von dem Käse zu knabbern und die Gedanken zu lösen, um mit ihnen über die Wiesen, Seen und Hügel zu fliegen.

So weit der Horizont

Wieder unterwegs fliege ich weiter, und verpasse fast wie Mozart seine ersten Schwarzkopf-Schafe neben der Straße erblickt, und total ausflippt! Er spring nach vorn oben, macht einen Salto wegen der Leine, die ich im letzten Moment festhalte, landet aber wieder auf den Füßen.

Gerade nochmal gut gegangen. Ich hocke mich neben ihn und rede leise und beruhigend mit ihm, abwartend, dass er sich etwas besänftigt. Die Schafe ziehen ihres Weges und wir auch. Als es langsam wieder hinunter geht öffnet sich ein weites Panorama über die Landschaft der Trossards, wir sind in den Highlands, meine Seele ist wieder zu Hause.

Loch Katrine water scheme

Etwas enttäuschend wird der Weg, nachdem wir im Tal angekommen abbiegen müssen. Bisher hat mich der Asphalt auf der Strecke seit Drymen nicht gestört, aber was jetzt kommt ist echt etwas öde, und die Straße ist auch nicht so schön wie vorher. Okay, die Bauten und Konstruktionen der Wasserleitung sind beeindruckend, aber der Weg ist ansonsten langweilig. Lediglich die Ausblicke Richtung Gartmore heitern auf. Irgendwie kommt mir dieses kurze Stück endlos vor.

Lochard Forest und breite Schotterwege

Endlich geht es in den Wald, zuerst im Zick Zack, aber zu viel erhofft. Tannen, breite Forststraße und Schotter. Der einzige Unterschied zum Sauerland sind die hier noch breiteren Wege und die Feuchtigkeit im Boden. So trotten wir den Rob Roy Way durch den Lochard Forest, meist geradeaus und können die Schätze links und Rechts des Weges, die von hohem, abgestorbenem Farn eingezäunt sind nur erahnen. Einige Male bleibe ich stehen und erhasche einen Blick in die dunkle Tiefe des Waldes. Herrlich, Moos und noch mehr Moos, Wasserläufe und noch mehr Moos. Aber kein geeigneter Platz vor Aberfoyle für unser Zelt, es sei denn direkt am Weg, und das möchte ich nicht. Vielleicht finden wir etwas später einen Platz.

Der Friedhof von Aberfoyle

Mozart hat Tempo drauf und so sind wir sehr schnell aus dem Wald heraus und wieder auf Asphalt und am Friedhof von Abertfoyle, wo ich die Kirchenruine besichtige. Zwei komische Blechsärge (Mortsafes, siehe Abbildung „Stories in the  Stones) stehen irgendwie gruselig beidseitig des Eingangs. Auf den alten Grabsteinen sind die Inschriften kaum zu entziffern und viele Tafeln stehen windschief oder liegen flach am Boden.

Wo zelten in Aberfoyle?

Ein paar wenige Schritte und wir sind im Zentrum von Aberfoyle an einem kleinen Platz mit Bänken in der Nähe des Aberfoyle Scottish Wool Center direkt am River Forth und machen eine kleine Rast und Überlegungs-Pause. Meine Füße brennen von dem vielen Asphalt und Schotter, ich mag nicht mehr viel weiter gehen. Aber wo zelten? Hier in Ortsnähe nicht, denn das Risiko von freilaufenden Hunden am Zelt, sowohl jetzt am aufkommenden Abend, als auch morgen früh ist mit Mozart im Zelt keine gute Option.

Die Hoffnung bald einen Platz auf dem folgenden Teilstück zu finden scheint mir auch nicht so hoffnungsvoll, zumal der Rob Roy Way ein ganzes Stück an einem Golfplatz entlang geht. Trotzdem gehen wir ein Stück weiter, die Hoffnung stirbt zuletzt, doch bis zur Abbiegung am Medical Center ist jeder halbwegs brauchbare Platz pitschnass und feucht.

Rob Roy Hotel

Internet befragen und nach einer Hundefreundlichen Unterkunft vor Ort suchen. Erfolg beim ersten Anlauf, das Rob Roy Hotel, das ich auf der Karte eingezeichnet finde, hat Platz für uns. 45 Pfund ist mehr als ok, Frühstück inklusive. Wir müssen nur dem vorherigen Weg ein paar hundert Meter weiter folgen und schon sind wir angekommen.

Das Hotel ist riesig. Zwei zweistöckige Bettenhäuser, lange Gänge. Der Service am Empfang super freundlich, das Zimmer sauber und geräumig, tolle Dusche inklusive, sowie ein riesiges, schön hartes Bett.

Ausklang des Tages

Es ist 17 Uhr und um 18 Uhr gibt Abendessen. Schnell Mozarts Essen einweichen, sich den Luxus einer Dusche gönnen, und ab in das Restaurant. Wegen Mozart bekommen wir einen Platz im Pub, dort sind Hunde erlaubt. Das Essen ist gut, Schafsfleisch Innereien mit Kartoffeln und Gemüse. Als Nachtisch süßes Brot in Vanillesauce. Lecker, auch wenn alles andere als Vegan, aber das fleischfreie Leben lege ich in Schottland immer ab, wenn ich weis, dass die Produkte aus tiergerechter Haltung kommen. Ein Land wird für mich auch immer durch die lokalen Spezialitäten kennengelernt, darauf Verzichte ich nicht! Warten wir mal ab, wie mein Magen den Käse und das ungewohnte Fleisch verträgt.

Später bin ich wieder mit dem Hörbuch eingeschlafen und schon um 5 Uhr wieder wach geworden. Zu früh! Nochmal umdrehen und weiterschlafen, Frühstück gib es erst ab 8 Uhr.

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