Auf dem Rob Roy Way am Loch Lubnaig entlang – Tag 6

Ein Tag am Loch Lubnaig

[Wanderung ca. 26 km, mittel] [ca. 240 Höhenmeter] [18.10.2019]

In der Nacht hat es wieder geregnet, so wie die 3 Nächte zuvor. Es ist noch dunkel, der Mond steht hell am Himmel. Die Vorfreude auf die nächste Etappe am Loch Lubnaig ist groß, fast eine ganze Etappe am See entlang scheint etwas Besonderes zu versprechen.

Morgentoilette und noch eine halbe Stunde im Zelt mit Mozart zusammen liegen und kuscheln, dann wird Tee gekocht und ein halber Scone gegessen. Dazu gibt es eine Tüte Porridge mit Milch.

Das Außenzelt ist kalt und nass, es wird in seinen Sack gestopft, das Innenzelt ist soweit trocken und kommt auch in seinen extra Pack Sack. Mal schauen wie das Wetter wird, noch sieht es nach Regen aus.

Gerade als wir losmarschieren, erwischt uns urplötzlich ein kurzer Schauer. Glück, denn Regenzeugs und Regenschutz für den Rucksack waren angelegt.

Überall glitzer

Wir ihr sind wieder auf der alten Bahnstrecke, dem aktuellen Rad,- und Wanderweg auf Asphalt. Ab und zu begegnet uns ein früher Radfahrer, Ab und zu tröpfelt es aus den Wolken.

Wir passieren eine Brücke, der Flusslauf kommt wieder näher an den Weg heran, und da sind wir auch schon an den Falls of Lewis. Das sind Stromschnellen die einen höllischen Krach machen. Um uns herum ein glänzender Märchenwald. Die Sonne kommt immer mehr durch und die Regentropfen glitzern wie Juwelen auf den Ästen und herbstlichen Blättern. Wie klischeehaft, aber so ist es eben.

„Wenn Sonnenstrahlen auf Regentropfen fallen, Dann feiern die Füchse im Wald Hochzeit (Akira Kurosawas Träume)“

Das Herz geht auf, auch das ist eben-so. Ein Perlhuhn flattert mit einem verängstigten Schrei vor uns weg in den Wald. Mozart starrt ihm minutenlang nach, sowas hat er noch nicht erlebt.

Forestry Commission Chalets und viele Autos

Wir erreichen einen Parkplatz, eine Brücke führt hinüber zur Hauptstraße, der Weg wird zu einer Single Road und wir nähern uns dem Zufluss zum Loch Lubnaig.

Doch auch Kolonnen von Autos nähern sich uns, kommen uns entgegen. Wo wollen die alle hin? Woher kommen die? Ein-zwei Kilometer später erfahren wir es, beim Anblick einer Anhäufung von Holzhäusern, die zu einem Resort der Forestry Commision gehören. Es ist Check out time, und all die Fahrzeuge verlassen den Ort in Richtung Hauptstraße.

Im Tearoom des Resorts gibt es für mich noch einen Tee und einen Besuch auf der Toilette. Gesicht und Zähne putzen. Die Angestellten sind sehr nett und freundlich, obwohl Mozart pitschnass und dreckig ist. Ich lasse mir noch meine Wasservorräte auffüllen und danach ziehen wir von dannen. Als wir an der Schranke am Ende des Resorts ankommen bemerke ich, dass mein Wanderstock nicht da ist. Also zurück zum Tearoom. In der Zwischenzeit ist die Sonne herausgekommen, also raus aus den Regenklamotten. Egal wie atmungsaktive das Zeugs ist, es ist trotzdem wie ein Panzer.

Immer am Loch Lubnaig entlang

Die folgenden Kilometer gehen wir weiter auf Asphalt, auf dem Radweg in Richtung Stratyre. Immer am Loch Lubnaig entlang, beidseitig gesäumt von bewaldeten, oder nackten Bergrücken, die mich immer an Wale erinnern. An machen Hügeln steht die Bewaldung bis zur Hälfte und oben wird es kahl, wie eine Halbglatze. Hinter uns steht ein ziemlicher Riese, der sich ab und zu aus den Wolken schält.

Auf unserer Seite tauscht der Creag Bheag auf, er liegt direkt am See, beeindruckende Felsen ragen aus den Bäumen heraus, Immer wieder, Quatsch, andauern fließen Bäche unter dem Asphalt hindurch in den See.

Überhaupt ist diese Seeseite sehr waldreich, bis wir an einer Baumbepflanzung vorbeikommen und die Hügel sich vom Ufer entfernen. Hier sind alle freien Flächen mit jungen Bäumen bepflanzt. Noch winzig, geschützt mit diesen grünen Stamm Halterungen. Die Farm im Zentrum dieser Anpflanzungen heißt Laggan. Wenn denen hier das ganze Land gehört!

Wir sind am Ende des Loch Lubnaig angekommen und müssen über einen im Zick Zack angelegten, schmalen Schotterweg hinauf auf die Forststraße. Eine Familie kommt uns auf Rädern Downhill entgegen. Die zwei 6-8-jährigen Jungen meistern die Abfahrt richtig super.

Pause

An der Keip Farm, die ziemlich heruntergekommen anmutet, steht eine Bank und ich beschließe eine Pause zu machen und meinem nassen Außenzelt etwas Frischluft zu gönnen. Währenddessen esse ich mein letztes Stück Scone aus Callander mit etwas gemopster Marmelade aus dem Rob Roy Hotel. Mozart ruht sich aus, spring aber jedes Mal auf, wenn ein Radfahrer vorbeikommt, und das sind so einige. Statistisch gesehen werde ich von Rad fahrenden Familien ignoriert, bei Paaren grüßen die Frauen und allein strampelnde Herren grüßen immer.

Es fängt leicht an zu tröpfeln, also nix wie einpacken und runter nach Strathyre. Wir landen nach den ersten Häusern direkt an einem Park mit einem großen Parkplatz. Mitten auf der Wiese steht ein altes, verfallenes Broch, wonach auch der Tearoom benannt wurde, den wir jetzt ansteuern.

Im Broch Café in Strathyre

Ein warmes Getränk und ein trockenes Plätzchen solange es regnet. Drinnen ist es voll, und die Luft verbraucht, also setzen wir uns draußen unter die Markise, nachdem ich eine Süßkartoffelsuppe und einen Kaffee bestellt habe. Ich ziehe meine Daunenjacke über, und so sitzen wir eine ganze Zeit, um in mein Tagebuch zu schreiben und auch um zu überlegen wohin wir gehen, bzw. wo wir unser Zelt aufschlagen werden.

Ende der Etappe oder Fortsetzung?

Der Campingplatz in Strathyre liegt ein Stück die stark befahrene Straße zurück in Richtung Callander. Es ist erst 3 Uhr, Zeit genug, um noch bis Balquhidder Station zu gehen, falls wir keinen Platz im Wald finden, gibt es dort einen Trailer Platz. Das Grab von Rob Roy werde ich sowieso nicht besichtigen, denn es liegt abseits des Weges und außerdem muss ich hier mit meiner Schwester noch einmal hin, wenn es mit dem Trecking irgendwann in der Zukunft nicht mehr geht.

Das Café und der Parkplatz füllen sich immer mehr mit Menschen, das macht mich und auch Mozart nervös, es wird Zeit aufzubrechen. Wir müssen ein Stück die Hauptstraße entlang. Danach führt uns der Weg zwischen den Häusern hindurch und an einem Bolzplatz vorbei hinauf in den Wald. Juhu, ein Pfad. Moos, gurgelnde Bäche, aber leider viel zu schnell vorbei.

Queen Elisabeth Forest Park und kein Platz für unser Zelt

Die Forststraße hat uns wieder und windet sich stetig in die Höhe. Hin und wieder erhascht man einen Blick durch die Bäume hindurch auf das Tal und die nächsten Hügel, phantastisch.

Ich sammle schon einmal Wasser aus einem der vielen Bäche, trinke direkt ein paar Schluck, denn das hier kommt direkt vom Berg. Zeltplatz? Nein, nur Buchten, oder besser gesagt Wendestellen für schweres Forstgerät. Im Wald selbst ist zu viel Gefälle, um darin ein Zelt aufzustellen.

Als es wieder bergab geht in Richtung Kingshouse Hostel, das aber wegen dem Kingshouse auf dem WHM gar nicht mehr so heißt, finde ich einen flachen Platz mit einem dicken Baumstamm am Wegesrand. Sieht perfekt aus, bis auf das eingeweichte Klopapier. Ich möchte das nicht genauer untersuchen, und so gehen wir ohne Hoffnung weiter, bis wir wieder unten im Tal sind.

Eine nette Familie

Dort treffen wir auf eine Familie mit Hund., die uns schon vorher auf dem Weg nach Strathyre gesehen hat. Unsere Rucksäcke, besonders der von Mozart sind eindeutige Wiedererkennungszeichen. Ich werde ganz freundlich über den Weg ausgefragt, den der Großvater bereits teilweise, aber nie ganz gegangen ist. So gehen wir plaudernd bis zum Hotel, wo sich unsere Wege trennen. Nicht ohne eine Spur Wehmut zu versprühen, mich nicht weiter begleiten zu können.

Cycle route 7

Da ist er wieder, der Radweg, die Hoffnung auf einen Zeltplatz schwindet mit den Zäunen rechts und links. Schottland das Land der Zäune, überall! An einem kleinen Bachlauf sieht es ganz gut aus, doch bei genauer Begutachtung versinke ich bis zu den Knöcheln im Morast und jeder Schritt hinterlässt eine kleine Pfütze.

Balquhidder Station Im Wolkenbruch

Ein paar hundert Meter weiter erreichen wir einen kleinen Pfad, der zur Hauptstraße in Höhe von Balquhidder Station führt. Zum Glück müssen wir nur wenige Meter am Straßengraben entlang, dann taucht ein Fußweg auf. Wo soll hier bitte dieser tolle Holiday Park mit den einladenden Bildern auf der Internet Seite sein? Nichts zu sehen, und genau jetzt beginnt es heftig zu schütten.

Auf der anderen Straßenseite taucht eine Treppe auf, daneben so etwas das mal eine Unterführung gewesen zu sein scheint. Bahnhof? Treppe rauf und Tatsache, hier steht Trailer neben Trailer, je eine Reihe auf beiden Seiten. wir sind am Balquhidder Braes Holiday Park angekommen. Aber wo ist die Anmeldung? Wir gehen in eine Richtung, fragen am Ende die Bewohner eines Trailers und werden in die andere Richtung zurückgeschickt. An den Toiletten angekommen kann ich keine Anmeldung orten. Da taucht zur Rettung ein Mann aus einem Trailer auf und sagt uns, dass der Inhaber nicht da ist und wir unser Zelt auf dem Rasenstück neben den Booten aufstellen sollen. Danke!

Der perfekte Zeltaufbau im Regen

Wieder ein paar Meter zurück. Dort steht auch eine morsche Bank mit Tisch, unter dem sich Mozart verkrümelt, während ich im strömenden Regen das Außenzelt aufbaue.  Da der Rasen und wir sowieso schon pitschnass sind, bleibt der Rucksack unter dem Raincover, bis ich Bodenplane und Innenzelt eingehängt habe. Lediglich die vordere Ecke des Innenzeltes bleibt un-eingehängt. Die Matte kommt wieder in das Innenzelt, danach der Rucksack und zuletzt Mozart, den ich so gut es gehe mit seinem Handtuch abrubble. Danach komme ich rein, Außenzelt schließen, aber wohin mit meiner nassen Regenjacke, der nassen Hose, dem nassen Raincover und Mozarts nassem Rucksack und Geschirr?  Die letzten drei Dinge landen unter dem Außenzelt, der Rest macht innen andere Dinge feucht.

Kochen im Zelt

Entspannung! Das lief mal wieder gut, denn wir sind trocken im Trockenen und jetzt wird zum ersten Mal unter dem Zelt gekocht, mit ausgehängtem Innenzelt vorn rechts. Erst Wasser erhitzen für Mozarts Barf, denn das muss 30 Minuten einweichen. Danach heißes Wasser kochen für einen Tee und meine Portion Tend Meal mit italienischer Geschmacksrichtung.

Das mit dem Kochen unter dieser provisorischen Apside klappt prima, und während ich im Innenzelt mein lecker schmeckendes 500 Kalorien Mahl verputze, futtert Mozart seine Pampe aus seinem Fressnapf, der an der Stelle steht, wo vorher der Kocher stand. Er schlabbert immer so rum, das gäbe sonst eine riesige Sauerei im Zelt. Wie geil! Wir sitzen im trockenen, sind satt und der Regen prasselt unaufhörlich und immer stärker werdend auf das Zelt. Mozart bekommt sein Quilt umgeschnallt und legt sich müde am Kopfende müde ab.

Bleibt der Hund im Zelt?

Ich muss nochmal auf die Toilette und die Leinen draußen abspannen, also rein in die Regenjacke und in die Schuhe. Mozart soll zum ersten Mal allein im Zelt auf mich warten. Bisher habe ich ihn immer mit zu den Waschräumen genommen, aber jetzt ist es einfach zu feucht draußen, der Waschraum ist weniger als 100 Meter entfernt, daher starte ich einen Testversuch. Die Stirnlampe schaukelt baumelnd im Zelt, die lasse ich an, zieh die Reißverschlüsse zu, ramm die fehlenden Heringe in den Boden und straffe das Zelt.

Mozart bekommt natürlich mit, dass ich da draußen rum Wurschtel, ich sag ihm noch ein „bleib“, dann gehe ich zügig zu den Waschräumen. Waschen, Zähne putzen und so schnell wie möglich zurück zum Zelt, und da liegt Mozart ganz ruhig an der Stelle, an der er sich vorher platziert hat. Sicher fand er das ohne mich nicht toll, aber er rastet auch nicht mehr komplett aus, wenn ich ihn mal allein lasse. So langsam scheint er kapiert zu haben, dass ich zurückkomme und er sich auf mich verlassen kann.

Ein Schluck Whisky aus dem Flachmann, aneinander kuscheln, dem Konzert der Regentropfen zuhören, einschlafen.

Die Teilstrecke bis Balquhidder Station findet ihr auf der nächsten Etappe.

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