Auf dem Rob Roy Way von Strathtay nach Pitlochry – Tag 11

Der letzte Tag und ein Abschluss im Luxus

[Wanderung ca. 9 km ] [ca. 320 Höhenmeter] [23.10.2019]

Am Morgen ist es grau, aber nicht mehr so kalt wie an den letzten 3 Tagen, bzw. Nächten. Als Erstes gibt es wieder warme Milch mit Espresso Kaffeepulver, mein spezieller Latte Macchiato. Dazu gibt es Scones und Leckereien vom Bäcker aus Aberfeldy. Und das alles gemütlich an der Picknickbank neben dem Zelt. Dann wird abgebaut. Heute ist das Zelt ausnahmsweise nicht angefroren oder nass vom nächtlichen Regen oder feucht vom Morgentau. Es wird trocken nach Pitlochry getragen.

Tullypowrie Burn

Wir überqueren erneut die Stahlbrücke, biegen danach aber rechts ab, und so geht es stetig bergauf an richtig schönen Steinhäusern vorbei. Eines davon scheint ein Gästehaus zu sein. Wir kreuzen eine Straße und da steht ein Schild: „Publicity Footpath to Pitlochry“. Wir kommen an einem Golfplatz vorbei und danach geht es auf einem schmalen Pfad durch meist mannshohe Vegetation am Tullypowrie Burn stetig bergauf.

Wie immer bei Anstiegen bleibe ich hin und wieder stehen für einen Blick zurück über die Landschaft hinter mir. Die grauen Wolken hängen tief, und trotzdem sieht man bei jedem Halt mehr von der Landschaft in der Ferne.

Im Moor

Wir überqueren eine kleine Brücke über den Tullypowrie und erreichen das auf der Karte eingezeichnete Gate. Die etwas graue, düstere Stimmung passt zu der Landschaft, die wir jetzt durchqueren. Was nicht heißt, dass es bei Sonnenschein nicht schön wäre, aber es kommt mir eben immer so vor, als wäre der Augenblick so für mich geschaffen worden, mit eben diesem Licht. Wenn ich jetzt noch wüßte wie all die Büsche und Pflanzen heißen!

Bäume stehen hier nur vereinzelt, und das sind meist Scottish Pines. Der Untergrund ist meist feucht, aber ein echtes Moor ist es nicht, vielleicht war es einmal eines, oder soll wieder eines werden. Hatte ich diese Gedanken im Kopf, oder kamen sie erst später, jetzt beim Schreiben? Eigentlich waren da nur Fülle und das Gefühl und das dort sein und das aufsaugen und einatmen der Welt drumherum. Es war gut!

Die innere Ankunft

Am nächsten Gate ist alles vorbei, wir kehren zurück in den Wald. Mir ist direkt nach einer Pause und wir hocken uns in das Gras unter einer Fichte, um uns nieselt es leicht, und dann flossen die Tränen. In diesem Moment ist die Wanderung für mich zu Ende. Wie auch auf dem JOG Trail überkommt mich dieses Gefühl ein kurzes Stück vor dem eigentlichen Ziel. Ich habe es geschafft! Mozart hat es auch geschafft, mit seinem roten Rucksack. Wir sind den Weg gemeinsam gegangen und haben so viel erlebt und gesehen. Es hat uns mehr aneinandergebunden, wir waren uns nah, ohne Worte haben wir einfach erlebt. Kommandos habe ich kaum gebraucht. Jetzt geht es zurück in den Alltag, was von unserer Symbiose können wir mitnehmen, behalten?

Wir haben gesehen, wir haben gelebt, wir haben geschlafen und wir sind gegangen.

Die letzen Meter

Irgendwann wurde es zu kalt und wir sind weiter durch den Tay Forest Park nach Pitlochry hinuntergezogen. Über breite Forststraßen, aber auch manchmal über Waldpfade. Danach zwischen Weiden und Farmland, wir erreichen die stark befahrene A9 und müssen etwas warten bis sich eine ausreichende Lücke zwischen den Fahrzeugen auftut, um wir schnell hinüber rennen zu können.

Wir sind in Pitlochry, direkt am Festival Center und dahinter sehe ich bereits das Port-na-Craig Inn. Wir haben noch fast 3 Stunden Zeit bis zum Check in um 15 Uhr, deshalb tiegern wir zuerst zum Bahnhof um die Fahrkarte nach Newcastle zu kaufen. Anschließend geht es auf die busy Hauptstraße von Pitlochry zum Geldautomaten und danach auf einen Tee und Scones in das Café, in dem ich schon 2017 mit Blixa auf dem Weg nach Poolewe gesessen habe.

Danach wird eingekauft

Im Mountain Warehouse ein Funktionsshirt und Leggins, sowie ein Wickelkleid aus Jersey (einen einfachen Rock konnte ich nicht finden), damit ich auf der Rückreise nicht mit dem einzigen getragenen Shirt und der echt dreckigen Hose herumlaufen muss. Schließlich werde ich fast 2 Tage unterwegs sein. Dazu kommenden ein paar Postkarten, Briefmarken, eine Seife für meine Tochter und einen Kühlschrankmagneten für Ju. Aber mal ehrlich! Die Souvenirs in Pitlochry sind Massenware, das Zeug, das man überall bekommt. Made in China nicht ausgeschlossen.

Was ich wieder nicht gefunden habe ist der Endpunkt des Rob Roy Way, genauso wie den Anfang in Drymen. Aber egal, das ist nicht wichtig.

Ankunft im Himmelreich

Endlich kommt die Zeit um zum Port-na-Craig Inn zurück zu gehen. Dieser Rummel in der Stadt ist nichts für mich und erst recht nicht für Mozart. Wir gehen erneut über die schmale Fußgängerbrücke über den River Tummel und werden herzlich begrüßt.

Einen Moment lang fühle ich mich deplatziert mit meinem Equipment und meiner verdreckten, stinkenden Erscheinung in dem feinen, mit Glas überdachten Restaurantbereich. Aber niemanden scheint das zu stören, und als mir unser Zimmer gezeigt wird falle ich fast um! Wahnsinn und absolut British! Ein schwarzes Ledersofa, Holzdielen, ein Himmelbett für Königinnen, und eine eigene Badewanne mit weichen Handtüchern und einem flauschigen Bademantel.

Dann bekomme ich noch einen Begrüßungstee, den ich draußen im Garten am Fluss trinke und wir kommen, nach dem Stress im Städtchen, endlich zur Ruhe. So sitze ich dort eine lange Weile und meditiere mit dem fließenden Wasser bis es mir zu kalt wird. Ich reserviere noch einen Tisch für 20 Uhr, denn ich möchte dieses Himmelreich mit einem opulenten Abendmal krönen, danach geht es ab in die Wanne! Wie geil ist das!

Im Luxusland

Anschließend sitze ich im kuscheligen Bademantel auf dem Sofa, schreibe meine Postkarten und genieße einfach nur dieses wunderschöne Zimmer und schlafe ein. Zum Glück werde ich rechtzeitig wach, so dass ich pünktlich um 20 Uhr mit Mozart und sauber in meinen neuen Klamotten am Tisch sitze und ein Angus Steak mit Pommes, Pilzrahmsauce und Salat bestelle.

Ja Fleisch, aber was hier auf den Teller kommt ist das beste Fleisch, sprich von der Wiese und nicht im Massenschlachthaus massakriert. Das Steak war weich und saftig, es war saulecker! Wer schon mehr von mir gelesen hat wird wissen, dass ich zu Hause nie Fleisch oder Milchprodukte esse. 100% vegan ist es aber nicht, denn ab und zu esse ich auch einmal ein Stück Käse zum Brot.

Auf Reisen hingegen trinke ich Milch aus Mangel an Hafermilch, esse Käse und achte auch bei Backwaren nicht auf Vegan. Reisen geht auch immer über den Gaumen!

Mozart liegt neben dem Stuhl und bekommt ganz heimlich ein Stück mit reichlich Fett ab. Zur Abrundung des Festessens gibt es noch Nachtisch, und bevor wir wieder in unser Zimmer gehen machen wir noch eine kleine Gassi Runde zum nahegelegenen Damm und dem dahinter liegenden Loch Faskally.

Eine königliche Nacht

Zurück im Zimmer ergänze ich die restlichen Ereignisse des Tages in mein Tagebuch und blättere anschließend durch die Fotobände aus dem Bücherregal. Auf mich wartet nur noch mein königliches Bett auf einen königlichen Schlaf.

 

Komoot

4 Antworten auf „Auf dem Rob Roy Way von Strathtay nach Pitlochry – Tag 11“

  1. Krass! Das hätte ich jetzt nicht erwartet, du in einem solchen Inn. Da kommt der Genussmensch durch. Eigentlich sogar eine tolle Idee, um sich nach so einer Wanderung zu restaurieren. Die Idee mit dem neuen Funktionsshirt finde ich auch gelungen, sowas braucht man tatsächlich immer.

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