Rob Roy Way – Newcastle Upon Tyne – Anreise Tag 2

Ein wundervoller Tag in Newcastle Upon Tyne

Mit dem zweiten Anreisetag begann die richtige Erholung für mich und Mozart mit einem herbstlichen Spaziergang in Newcastle Upon Tyne. Doch der sonnige Tag begann viel früher, noch auf der Fähre.

Früh am Morgen um 6 war Schluss mit Nachtruhe, und wir sind direkt zum noch leeren Hundedeck gegangen. Sofort hebt er sein Bein an der mit Plastikefeu dekorierten Begrenzung und pinkelt den angestauten Überlauf aus. Prima! Zurück in der Kabine, Zähne putzen und waschen und ab zum Frühstücksbuffet. Englisches Frühstück mit Rührei und Speck und gebackenen Tomaten. Müsli oder Brötchen kann ich auch zu Hause essen, unterwegs kommt immer das auf dem Teller was es daheim nicht gibt. Der Kaffee war saustark und gut. Durch das Fenster schimmert es leicht rötlich, der Sonnenaufgang! Also nix wie rauf auf das Deck.

Die Sonne geht auf am Horizont

Ein langer, dunkelroter Streifen am Horizont, der ständig heller wird, und kurze Zelt später bescheint bereits die noch versteckte, aufgehende Sonne die oberen Wolkenschichten.

Neben mir steht plötzlich Ju, breitet ihre Arme aus und strahlt in das Panorama. Meine Vorstellung hat sie hierher gezaubert. Ob wir jemals wieder zusammen verreisen werden? Vielleicht, doch diesmal teile ich alles und ausschließlich mit Mozart, der seine erste Seereise fast überstanden hat. Noch 2 Stunden und wir kommen in Newcastle an. Die Rucksäcke sind bereits gepackt, meiner wiegt 20 Gramm, Mozarts ein Abendessen, also 200 Gramm weniger. Bis zur Ankunft lese ich noch etwas in der Zeitung, dann können die Seiten auch in den Papierkorb.

Mit dem Bus zum Bahnhof

Nachdem wir als Erste das Schiff verlassen durften, stehen wir am Ausgang vor einer Reihe Bussen, auf denen Newcastle-Central-Station steht. Das könnten Buslinien sein, ich frage ob der Hund mit in den Bus darf. Natürlich! Super! Als ich das Ticket kaufen will, werde ich nach den Boarding Unterlagen gefragt, denn dies ist der DFDS Transfer Bus, der eigentlich keine Hunde mitnehmen darf. Ich werde von der gesamten Busfahrer Riege, die hier steht und auf die Passagiere aus dem Schiff wartet erstaunt gefragt, wer denn so einen Blödsinn erzählt. Naja, die Leute von der Ticket Hotline.

Wenn der Bus voll ist wird er losfahren, Zeit genug um Mozart ein wenig das Bein heben zu lassen, was er auch direkt tut.

Um 10:15 sind wir in Newcastle upon Tyne angekommen und stehen vor dem Bahnhof wo ich hole zuerst meine online gebuchten gebuchten Tickets am Automaten abhole. Klappt 1A. Mozart, mein Schisser, der in Menschenlauten Umgebungen immer die Flucht nach vorn sucht, bleibt an meiner Seite. Was ist hier passiert? Zwei Tage auf Reise und er verläßt sich auf mich, orientiert sich spürbar an mir! Die Situation ist ihm immer noch unangenehm, aber Panik ist hier nicht mehr zu spüren. Fast relaxt ging es den restlichen Tag weiter, und der begann erst einmal mit einem Spaziergang, aber bitte ohne unsere Rucksäcke! Die habe ich in einem Center Store Kiosk abgeben können, bis 14 Uhr für 5 Pfund.

Ein langer Spaziergang am Tyne

Und jetzt? Ich tendiere, und bewege mich nach einem kurzen Blick auf Google-Maps in Richtung Tyne. Dazu müssen wir auf die andere Seite der Bahngleise durch eine Unterführung, die vollsteht mit Taxis, alle in einer Reihe.

Irgendwie wurschtle ich mich abwärts in Richtung Ufer und schon stehen wir auf der Uferpromenade. Sau-gute Idee, denn hier treffen wir auf einen Teilabschnitt des Hadrian’s Wall Path. In direkter Nähe führen mehrere Brücken über den Fluss, jede in einer anderen Höhe.

Wir gehen spontan landeinwärts, so begann ein ruhiger, sonniger, entspannter Spaziergang entlang bunter Herbstbäume auf der einen, und dem Tyne mit seinen Sandbänken und Seevögeln auf der anderen Seite. Mozart ist begeistert, trifft auch einige Hundekumpel und schrickt sogar bei von hinten kommenden Fahrrädern nicht mehr zusammen.

Shopping in Newcastle Upon Tyne

Nach diesem herrlichen Spaziergang zurück an den drei Brücken, suche ich über Google nach einem Elektrogeschäft. Eigentlich war dieser Einkauf für Glasgow geplant, doch wir haben immer noch 2 Stunden Zeit bis zur Abfahrt des Zuges. Google führt uns direkt hinauf zur Einkaufsmeile vonNewcastle Upon Tyne, wo wir schnell ein Geschäft finden und einen USB-Adapter für britische Steckdosen kaufen.

Was ich aber in keinem auf oder an dem Weg liegenden Outdoor Geschäft finde, ist Brennstoff für meinen Kocher. Aber durch Zufall entdecke ich auf einem Gassen-erforschenden-Rückweg zum Bahnhof einen Army-Outdoor-Laden, wo ich die letzte Flasche ergattern kann. In der Vitrine vor mir liegen Waffen! Jetzt nur keinen Blues bekommen! Der Typ hinter dem Tresen ist aber sehr nett, sieht mir wohl meine leichte Panik an und erzählt mir, dass man früher in jedem Kramladen Brennspiritus kaufen konnte, weil man damit die kalten Badezimmer geheizt hat. Wieder was gelernt!

Wir umrunden noch die Ruinen des Castle inklusive Turm, kommen an der Kirche vorbei, betreten mit Hund ist leider nicht möglich. Mozart läuft brav neben mir her. Wenn ich 2 Jahre zurückblicke, oder auch nur 2 Tage, dann ist das hier und heute ein veränderter Hund. Immer noch zurückhaltend, aber von seiner Panik ist nichts mehr zu spüren.

The Camera Shop

Kurz vor dem Bahnhof laufe ich fast an einem kleinen Laden vorbei, doch die alte Beschriftung, läßt mich genauer hinsehen.

The camera shop. Hier gibt es Sandwiches und Toast, liebevoll von 2 interessanten Männern belegt. Ich darf sogar mit Mozart in die winzige Warteecke. Zum Glück, denn es kommen immer mehr Menschen, die sich in die Schlange stellen und den Eingang blockieren. Mein Toasty Sandwich schmeckt klasse, Hunger hatte ich auch, das Frühstück liegt ja auch schon einige Stunden zurück.

Im Bahnhof muss ich auf die Toilette. Mozart nehme ich einfach mit in die Kabine, einige Frauen sind darüber amüsiert, aber niemand regt sich auf. Etwas fehlt, die Rucksäcke. Also wieder raus aus dem Bahnhof und auf die andere Straßenseite. Ich binde gerade Mozart am Fahrradständer an, da spricht mich eine ältere Dame an und fragt nach der Rasse. So beginnt ein langes Gespräch. Sie erzählt mir von der Demo letzte Woche in Edinburgh, gegen den Brexit und für die Unabhängigkeit. Ich erfahre, dass England vonSchottland nur profitiert. Windparks, Öl und und…. Und sie erzählt mir von ihrem Engagement im Tierschutz, als sie von Mozarts rumänischer Herkunft erfährt. Ich soll bei meinem nächsten Besuch in Edinburgh unbedingt ein Tierschutzprojekt besuchen, leider vergessen wo das ist und wie es heißt.

Schotten: Hilfsbereit, offen und interessiert!

Die letzten Etappen mit dem Zug

Auch im Zug erfahre ich Hilfsbereitschaft. Völlig verloren zwänge ich mich im völlig überfüllten Waggon D durch die Reihen und suche die Sitznummer 32. Andauernd bleibe ich mit der aufgerollten Matte an den Sitzen hängen, aber alles ist besetzt und es gibt die Nummer 32 nicht. Mozart bekommt eine Panikattacke und liegt flach am Boden. Aber da ist sie schon, die Hilfe. Eine junge Frau bietet mir einen Platz neben ihrem an, der nicht besetzt ist. Mozart quetscht sich sofort in den Fußraum. Mein Rucksack, wohin damit? Wieder naht Hilfe, diesmal ein Mann, er bietet sich an den Rucksack zum Gepäckbereich zu bringen. Der ist am anderen Ausgang. Das nächste Mal achte ich beim Einstieg auf solche Feinheiten.

Der fehlende Sitz 32 klärt sich in Form der Schaffnerin auf. Ich sitze im falschen Zug und soll nachbezahlen. Nee! Ich war immerhin um 14:44 am richtigen Bahnsteig, und wie soll eine Unwissende ahnen, dass zwei Züge nach Edinburgh innerhalb von 10 Minuten vom gleichen Bahnsteig aus abfahren. Zumal einer davon 10 Minuten Verspätung hatte, also genau zu der Zeit des zweiten Zugs eingefahren war! Oh man, bei uns fahren die meisten Züge nur alle 1-2 Stunden! Ich musste nicht bezahlen, denn das wäre teuer geworden. Mein Ticket hat 16 Pfund gekostet, ich hatte es im Internet bei ScotRail 2 Monate im Voraus gekauft, der neue Preis wären 78 Pfund gewesen.

Zum Glück saßen wir im falschen Zug, denn in Edinburgh hatten wir gerade einmal 5 Minuten Zeit um Bahnsteig Nummer 13 zu finden. Ein Bummelzug nach Glasgow, der an jedem kleinen Bahnhof hält. Mir ist das egal, so wollte ich es. Alle die Namen der Orte lesen und genug Zeit haben, um die Landschaft in mir aufzusaugen. Sonnenschein!

Glasgow has the color grey

Glasgow ist gräßlich, dreieckig, laut und unsympathisch. Sorry Glasgow, aber das was ich zwischen Bahnhof und meiner Unterkunft am Charing Cross gesehen habe, sowie bei meinem späteren Spaziergang um die Häuser, war einfach nur abstoßend. Mozart mochte es auch nicht, war voll gestresst.

Die Unterkunft war wie erwartet, keiner da und der Schlüssel im Safe vor der Tür, typisch AirBnB. Aber es war gut, Parterre, alles sauber, viel Platz und Mozart war drinnen total entspannt. Den Tag habe ich mit einem Hörbuch beendet. Vorgelesene Artikel über Schottland aus der Süddeutschen Zeitung. Es ging um die Insel Aran, die Borders und die Cairngorms, viele Informationen, über die ich eingeschlafen bin.

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